Juni 2004

 

 

 



 

Aktuell
 
   

Andreas Wolf

Neue "Blüten" in der Gemeindelandschaft

Zellgemeinden haben sich etabliert. Hier und da sind so genannte Jugendkirchen entstanden. Mehr und mehr Gemeinden orientieren sich an dem "Willow Creek"-Modell. Alpha Kurse und die Prinzipien der natürlichen Gemeindeentwicklung (NGE) werden landein landaus von ganz unterschiedlichen Kirchen und Gemeinden eingesetzt. Mit Hauskirchen wird experimentiert, aber auch mit regionalen Trainingszentren für Gemeindegründer. Das Rad der Gemeindeinnovationen steht nicht still. Sollte es Gottes guter Geist sein, der uns immer wieder mit frischen Ausdrucksformen von Gemeinde herausfordert und uns Mut macht, zu neuen Ufern aufzubrechen? Erfahren Sie mehr von den neusten Entwicklungen.

Wir müssen noch nicht einmal die deutsche Landesgrenze überschreiten, um neuen Gemeindeprojekten zu begegnen. In unserer Hauptstadt stehen "Gemeinsam für Berlin" (www.gfberlin.de und www.christen-in-berlin.de) und an der Grenze zu unseren Schweizer Nachbarn das "Rheinbündnis" (www.rheinprojekt.net) für faszinierende und inspirierende Initiativen der Gegenwart. Initiativen, die sich zum Ziel gesetzt haben, eine ganze Stadt oder eine bestimmte Regionen zu transformieren. Dabei zeichnet sich ein ganz neues Gemeindeverständnis ab: Gemeinde definiert sich über die Summe aller Christen in einer Stadt oder Region. Hier kommt eine neue Gemeindeidentität zum Ausdruck, die unser ererbtes auf Denominationen ausgerichtetes Denken zu überwinden droht und unsere Abgrenzungsgewohnheiten überflüssig machen könnte.

Was ist damit gemeint?

"City Church"

Gemeinde neu verstanden als die Summe aller Christen in einer Stadt

"City Reaching"

ein Stadtprojekt in Form einer langfristigen, strategischen und
missionarischen Koalition aller Christen einer Stadt zur Durchdringung der Stadt mit "Reich Gottes - Werten"

"Region Reaching"

in Analogie zum Stadtprojekt ein regionales Transformationsprojekt

 

"Gemeinsam für Berlin"

Die Berliner Initiative ging 2002 aus der Gebetsinitiative "Gebet für Berlin" hervor. Sie zielt auf eine Veränderung der Stadt ab. Dazu bietet sie allen Christen Berlins eine offene Plattform für missionarischen Austausch, gemeinsame Visionsentwicklung und Aktivitätsbündelung zum Wohle der Stadt an. "Gemeinsam für Berlin" möchte ganz bewusst keine institutionelle Struktur, sondern ein Netz vertrauensvoller Beziehungen entwickeln und die gegenseitige Ergänzung fördern. Arbeitsgruppen bilden sich, um den unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen gezielt und gemeinsam begegnen zu können. So konzentriert sich die Arbeit unter Anderem auf geistliche Stadtforschung, missionarische Jugendarbeit, Ausländer, Künstler und Islam. Das Internetportal www.christen-in-berlin.de ist ganz bewusst so angelegt, dass evangelische, katholische und freikirchliche Christen im Großraum Berlins mitberücksichtigt werden – und dieses Angebot wird bereits rege genutzt. Ermutigend ist das große Interesse anderer Städte Deutschlands am "Modellprojekt Berlin".

 

Das "Rheinbündnis"

Das "Rheinbündnis" startete als eidgenössisch-deutsche Gemeinschaftsinitiative ebenfalls im Jahr 2002. Es versteht sich als langfristig angelegte, regionale und ganzheitlich missionarische Zusammenarbeit mit dem Ziel, das Reich Gottes gemeinsam zu fördern und einem abgesteckten Gebiet rund um den Niederrhein "eine christliche Seele zu geben". Neben der Förderung bestehender Kirchen und Gemeinden sollen dadurch insbesondere neue Gemeinden, Hauskirchennetzwerke, "City Churches" und regionale Dienste entstehen. Darüber hinaus sollen aber auch Firmen auf der Basis christlicher Werte, soziale Dienste (wie etwa Kinderkrippen, Schulen, Wohnprojekte, Güterverteildienste) und Medienprojekte sowie ein gemeinsames Handeln in der Öffentlichkeit und Politik ermöglicht werden.

Das Regionalprojekt versteht sich als Zweckbündnis und arbeitet auf der Grundlage eines Bundesschlusses missionarisch gesinnter Einzelpersonen. Dieser Bundesschluss umfasst jeweils ein Bündnis (1) mit Gott, (2) miteinander und (3) mit der anvertrauten Region. Die Betonung liegt dabei auf dem Entstehen von Neuem, das gemeinsam verantwortet wird. Es geht weniger um das Zustandekommen von "Einheit" innerhalb der bestehenden Strukturen.

 

Mutmachender Ausblick

Beide "Modellprojekte" machen mir Mut. Zum einen, weil die Berliner Plattform für eine gemeinsame missionarische Strategieentwicklung und Aktivitätsbündelung auf so großes und breites Interesse stößt. Zum anderen, weil das Rheinbündnis sich darauf konzentriert, Neues entstehen zu lassen und gemeinsam zu verantworten. Es lässt sich nicht durch die Schwerfälligkeit geliebter Gemeinde- und Werkstrukturen am Dienst an der Gesellschaft hindern. Nicht zuletzt macht mir Mut, dass Gott immer wieder frischen Wind in unsere Gemeindepraxis und Gemeindetheologie bläst. Wir dürfen gespannt sein, wo Er uns noch so alles "hin blasen" wird...

 

Hintergrund zu dieser Themenreihe:

Dieser Artikel ist der erste Teil einer kleinen offenen Publikationsreihe zur Gemeindegründungsforschung des "DAWN European Network". Unsere Forschung orientiert sich an dem klassischen missiologischen Ansatz des Erntefeldes der Gesellschaft und der Erntekraft der Gemeinde. Ergänzt wird dieser Ansatz durch unser spezielles Interesse an der Erntedynamik, die sich in Gemeindegründung, neuen Gemeindeformen und prophetischen Ausblicken ausdrückt.

 

Mit dieser "offenen" Publikationsreihe wollen wir Sie ganz bewusst einladen, sich an unserer Forschung zu beteiligen. Kennen Sie noch weitere groß angelegte und breit getragene missionarische Transformationsprojekte in Städten oder Regionen Deutschlands? Dann schreiben Sie bitte an andreas@dawneurope.net. Wir freuen uns über jede hilfreiche Information, Ergänzung, Korrektur sowie jedes Feedback.

[Fortsetzung: September 2004]

Andreas Wolf wohnt mit seiner Frau Christine zwischen Magdeburg und Brandenburg. Er ist freiberuflich tätig als Projektmanager, Moderator und Mediator und innerhalb des "DAWN European Network" für Gemeindegründungsforschung zuständig

 

Thomas Fode

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