Juni 2004

 

 

 



 

Fokus  
 
   

Jeannette Buller

Wie Gemeinden am meisten vom NGE-Kreislauf profitieren

Gutes Coaching legt immer wieder Wert auf bewusstes Reflektieren: Was ist hilfreich gewesen? An welchen Stellen sollten Veränderungen in Erwägung gezogen werden? Wie könnten die nächsten Schritte aussehen, und welchen davon sollte Top-Priorität zukommen? Diese Art des Reflektierens ist auch für das Coaching von Gemeinden wichtig, die den NGE-Kreislauf durchlaufen.

Auf dem Weg durch die Phasen eines NGE-Kreislaufes hindurch erfahren Gemeinden Veränderungen, Enttäuschungen, aber auch Erfolgserlebnisse. NGE-Berater tun deshalb gut daran, dem jeweiligen Umsetzungsteam dabei zu helfen, die gemeinsam zurückgelegte Reise zu überdenken, bevor sie sich in einen neuen Kreislauf begeben.
 

Ergebnisse auswerten

Ein Bereich, dem sich das Team zuwenden sollte, beschäftigt sich mit den Folgen und Ergebnissen des Prozesses. Dieser Teil der Auswertung konzentriert sich auf die gesteckten Ziele, die tatsächlichen Ergebnisse sowie die Maßnahmen, die im Blick auf die Zielsetzung ergriffen wurden. Folgende Fragen können dabei hilfreich sein:

  • Welche positiven Ergebnisse/Auswirkungen sehen Sie im direkten Zusammenhang mit Ihrer Arbeit im Bereich des Minimumfaktors? ?

  • Welche unerwarteten positive Ergebnisse/Auswirkungen sind zu beobachten?

  • Welche Ziele haben Sie erreicht?

  • Wo haben Sie Ihr Ziel verfehlt?

  • Inwieweit waren Ihre Ziele erreichbar und relevant?

Biotische Prinzipien auswerten

Die Auswertung eines NGE-Kreislaufes wäre unvollständig, würde man keinen Blick auf die biotischen Prinzipien, deren Integration in den Prozess und die Ergebnisse werfen. Nützt man hier die Gelegenheit, über biotische Prinzipien nachzudenken und sie besser zu verstehen, wirkt sich das fördernd auf zukünftiges Arbeiten am Minimumfaktor aus. Einige Fragen können hier wertvolle Dienste leisten:

  • Welche biotischen Prinzipien konnten Sie bei der Umsetzung von Maßnahmen im Bereich des Minimumfaktors beobachten?

  • Welche biotischen Prinzipien waren nicht zu erkennen?

  • Inwiefern veränderten sich Ihre Ansätze und Strategien, als Sie damit begannen, biotische Prinzipien anzuwenden?

  • Wie brachten Sie Ihre Stärke(n) im Bereich des Minimumfaktors zum Einsatz?

  • Inwiefern wurden davon die anderen sieben (7) Qualitätsmerkmale beeinflusst?

  • Fielen Ihnen gegenwärtige Dienstbereiche auf, die verändert werden oder sogar aufgelöst werden sollten?

NGE-Prozess auswerten

Schließlich sollte das Umsetzungsteam sich mit dem Prozess selbst beschäftigen, der die Gemeinde durch den NGE-Kreislauf führte. Eine solche Auswertung des Prozesses bietet die großartige Möglichkeit, zurückzublicken und wahrzunehmen, was hilfreich war, was mehr, weniger oder anders hätte getan werden müssen, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Das gemeinsame Betrachten der Reise im Rückblick hilft dabei, den Prozess für den nächsten Kreislauf noch besser abzustimmen. Folgende Fragen können dabei helfen, den Prozess zu verbessern:

  • An welchen Punkten hatten Sie den Eindruck, mit dem Prozess nicht weiterzukommen?

  • Was half Ihnen, die Dynamik aufrecht zu erhalten bzw. zu steigern? Was bremste den Prozess?

  • Welchen unerwarteten Herausforderungen mussten Sie sich während des Prozesses stellen?

  • Wenn Sie auf den Prozess zurückblicken, was hätten Sie gerne anders gemacht bzw. was wäre hilfreich gewesen?

  • Auf welche Art und Weise haben Sie kommuniziert? Wie könnten Sie die Kommunikation in Zukunft noch verbessern?

  • Wie effektiv war das Umsetzungsteam während des Prozesses? Wie könnte die Effektivität in Zukunft noch verbessert werden?

  • Inwieweit war das Coaching hilfreich für den Prozess? Wie werden Sie Coaching beim nächsten Kreislauf einsetzen?

  • Wie werden Sie die Hauptziele, die Sie erreicht haben, in das gewöhnliche Gemeindeleben einbinden?

Durch die Beschäftigung mit diesen und anderen Fragen wird das Umsetzungsteam in die Lage versetzt, das Gelernte zu festigen und in den nächsten NGE-Kreislauf zu integrieren. Zukünftige Bemühungen um eine gesunde Entwicklung der Gemeinde gewinnen dadurch an Effektivität.

Naturgemäß vermeiden wir Bewertungsverfahren. Wir befürchten, dem Maßstab nicht gerecht zu werden oder das nicht zu erreichen, was wir uns vorgenommen haben. Als NGE-Berater wissen wir bereits, wie wichtig Bewertungsverfahren sind – darum geht es ja bei der NGE-Umfrage in Gemeinden. Wir wissen, dass dieses Bewertungsverfahren eine Möglichkeit Gottes ist, uns sanft darauf hinzuweisen, wo er uns wachsen und Frucht bringen sehen möchte. In ähnlicher Weise werden Umsetzungsteams, die sich die Zeit nehmen, um den durchlaufenen Prozess auszuwerten, entdecken, wie sie zukünftig noch effektiver das tun können, wozu Gott sie berufen hat.

Hier finden Sie weitere Fragen zur Auswertung des NGE-Kreislaufs:
EvalQuestionsPhase6DE.pdf

Jeannette Buller arbeitet als NGE-Coach and Coach Trainer mit Gemeinden in den USA. Darüber hinaus ist sie innerhalb von CoachNet International (Bob Logan) für die NGE-Beratung zuständig.

 

Petr Cincala

Gabenorientierte Mitarbeiterschaft

und ihr Einfluss auf die Gemeindequalität

In den letzten vier Jahren beschäftigte ich mich intensiv mit Daten, die wir mittels des diagnostischen Fragebogens der natürlichen Gemeindeentwicklung (NGE) aus Gemeinden gesammelt hatten. Mit dem Eingeben dieser Daten in die Auswertungssoftware wuchs auch der Wunsch in mir, Wege zur Auswertung dieser Daten zu finden, die mehr als acht Zahlenwerte für jede Gemeinde bieten. In den letzten sechs Monaten hatte ich nun die Gelegenheit, mit der internationalen NGE-Datenbank zu arbeiten. Eine über Jahre gewachsene Datenbank, hinter der die Energie von Menschen steckt, die sich die Mühe gemacht haben, einen NGE-Fragebogen auszufüllen. Für mich war das Grund genug, eine Auswertung unter einem bestimmten Blickwinkel zu wagen – mit der Frage: Was können wir von den Daten lernen?

Hier möchte ich nun eine kurze Analyse zur Gabenorientierten Mitarbeiterschaft und ihrem möglichen Einfluss auf andere Qualitätsmerkmale präsentieren. 14% der Gemeinden, die in unserer Datenbank erfasst sind, teilen mit Gabenorientierter Mitarbeiterschaft den gleichen Minimumfaktor unter den acht Qualitätsmerkmalen. Bei 15% aller erfassten Gemeinden erreichte das gleiche Qualitätsmerkmal dagegen den höchsten Wert im Gemeindeprofil. Darüber hinaus war interessant, dass 52% aller Personen, die einen NGE-Fragebogen ausfüllten, behaupteten ihre geistlichen Gaben sehr gut oder gut zu kennen. 62% aller Befragten, die angaben, in ihrer Gemeinde aktiv mitzuarbeiten, taten dies nach eigenen Angaben in Übereinstimmung mit ihren geistlichen Gaben.

Beim Analysieren der Daten suchte ich nach sichtbaren Faktoren, die die Qualitätswerte in den acht Bereichen am meisten beeinflussten. Interessanterweise gehört eine der Variablen, die sich stark auf alle acht Qualitätswerte auswirkt, zum Qualitätsmerkmal Gabenorientierte Mitarbeiterschaft. Konkret ist mit dieser Variablen die von den Pastoren angegebene Prozentzahl der Mitglieder gemeint, die ihre Gaben tatsächlich in der Gemeindearbeit einsetzen.

Die untersuchten Gemeinden wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Pastoren von Gemeinden in der ersten Gruppe (46% der Gemeinden) berichteten, dass nur 0-25 Prozent der Gemeinde ihre Gaben zum Aufbau der Gemeinde einsetzten. Die zweite Gruppe umfasste 44% der Gemeinden. In ihnen brachten 26-50 Prozent der Mitglieder ihre geistlichen Gaben zum Einsatz. In den verbleibenden 10% der Gemeinden überstieg der Prozentsatz an Mitgliedern, die ihre Gaben einsetzten, die 60%-Marke.  

Wie das Balkendiagramm zeigt, gibt es bemerkenswerte Unterschiede in den Durchschnittswerten der acht Qualitätsmerkmale von Ortsgemeinden, wenn der Einsatz der Geistesgaben mit berücksichtigt wird. Auf der Grundlage dieser Durchschnittswerte kann Folgendes festgestellt werden: Je mehr Mitglieder einer Gemeinde ihre geistlichen Gaben im Dienst einsetzen, desto höher fallen die Werte für die acht Qualitätsmerkmale aus. Die Durchschnittswerte aller acht Qualitätsmerkmale betragen in der ersten Gruppe 45, in der zweiten 53 und in der dritten Gruppe 59. Das Ganze mag eine bloße Zahlenspielerei sein. Dennoch weisen diese Werte auch auf einen wichtigen Zusammenhang hin: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wirkt sich ein höherer Qualitätswert in Gabenorientierter Mitarbeiterschaft auch positiv auf alle anderen Bereiche aus und steigert dort die Qualität.

Natürlich gibt es auch theologische Zusammenhänge zu berücksichtigen. Drei Schlüsseltexte in der Bibel sprechen von geistlichen Gaben: 1. Korintherbrief, Kapitel 12; Römerbrief, Kapitel 12 und Epheserbrief, Kapitel 4. In diesen Textabschnitten werden geistliche Gaben im Zusammenhang mit einer bestimmten Wirklichkeit von Gemeinde behandelt. Es geht dabei um Gemeinde als Leib Christi. Geistliche Gaben beschreiben eine der grundlegenden Funktionen dieses Leibes. Untereinander verbunden und von Christus koordiniert, wirken die unterschiedlichen Glieder dieses Leibes in erstaunlicher Einheit (1 Kor 12,20) durch das Einsetzen ihrer Gaben. Alle Glieder tragen dabei mit ganz unterschiedlichen Begabungen zum Funktionieren des Leibes bei. In diesem Zusammenwirken reift und wächst der Leib bis zu seiner Vollendung (Eph 4,11-13).

Geistliche Gaben kommen also zum Einsatz, wenn unterschiedliche Glieder des Leibes Christi sich aufeinander einlassen, in Beziehung treten und sich dazu noch gegenseitig ergänzen. Eine inhaltliche Beschäftigung mit den geistlichen Gaben scheint unausweichlich zu einer anderen Dimension des Leibes Christi zu führen — Gemeinschaft.

Petr Cincala (PhD) lebt in der Tschechischen Republik und ist als Research Manager für das Institut für natürliche Gemeindeentwicklung International tätig.

 


 

 

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