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Gemeindeentwicklung, die sich auf den "Gesundheitszustand" von Gemeinden
konzentriert, wird von vielen Gemeindeleitern begrüßt und gerne
aufgenommen – zumindest im Grundsatz. Geht es um die praktische Umsetzung,
finden sich Gemeindeleiter jedoch oft in einem inneren Zwiespalt wieder.
Einerseits sind sie begeistert ...
...
von der Vorstellung, ihren Gemeinden zu einer gesunden Entwicklung zu
verhelfen. Sie lernen, die natürliche Gemeindeentwicklung (NGE) zu
schätzen - ihre Prinzipien, Tools und Ressourcen. Andererseits spüren sie
aber auch die zeitlichen Zwänge, die ein anspruchsvoller Gemeindedienst
mit sich bringt. Das tägliche Führen und Versorgen einer Gemeinde fordert
sie ganz.
Gefangen
in einer Zeitfalle?
Nicht wenige Gemeindeleiter fühlen sich überfordert, wenn es darum geht,
den NGE-Ansatz in ihren Ortsgemeinden einzuführen. Immerhin muss
zusätzliche Zeit und Energie aufgebracht werden, um
-
sich selbst mit dem NGE-Ansatz vertraut zu
machen und an einem einführenden Training teilzunehmen
-
Schlüsselpersonen im NGE-Prozess zu
informieren und vorzubereiten, wie zum Beispiel die Umfrageteilnehmer
und Mitglieder des Umsetzungsteams
-
den NGE-Kreislauf vorzubereiten und diesen 12-18 Monate
umspannenden Prozess der Gemeinde vorzustellen
-
eine beflügelnde Vision für diesen Entwicklungsprozess zu
vermitteln und im Gemeindebewusstsein zu halten.
Was vielen Gemeindeleitern bei NGE Sorgen
bereitet, ist die zusätzliche Arbeit, die sie auf sich zukommen sehen. Die
Frage, die sie bedrückt, lautet: "Wie sollen wir NGE nur noch in unserem
vollen Gemeindekalender unterbringen?"
Was das Dilemma noch verschärft, ist die Tatsache, dass NGE nicht
das einzige "Dienstprogramm auf dem Markt" ist. Andere Ansätze und
Programme werden angeboten, mit eigenen Schwerpunkten, Plänen zur
Umsetzung, Tools und Materialien. Alphakurse, zeitgenössische und
auf suchende Menschen ausgerichtete Gottesdienste à la Willow Creek
sowie Rick Warrens 40-tägige Reise Leben mit Vision stehen für
einige dieser Ansätze. Leiter von Gemeinden, die auf bereits eines oder
mehrere dieser Angebote in ihrer Gemeindearbeit zurückgreifen, tun sich
oft besonders schwer mit NGE. Sie neigen dazu, in NGE ein weiteres
"Programm" zu sehen, das sie ihrem vollen Gemeindeprogramm hinzufügen
müssten, entschieden sie sich, dem NGE-Ansatz zu folgen. In ihrem Denken
setzt sich nicht selten ein "entweder-oder" Ansatz durch. Entweder muss
die Gemeinde ihr Programm reduzieren oder sogar ein Dienstprogramm
einstellen (um Zeit für NGE zu gewinnen) oder die Leitung muss sich
eingestehen: "Wir haben leider nicht die notwendige Zeit und Energie, um
den NGE-Ansatz in unserer Gemeinde umzusetzen."
Ausweg in Sicht
Auch wenn die Art und Weise, wie Gemeindeleiter ihr Zeitdilemma
empfinden, echt und ernst zu nehmen ist, verbirgt sich hinter diesem
Zwiespalt ein anderes Problem. Weder ein volles Gemeindeprogramm noch die
Überzeugung, dass NGE zu viel Zeit und Energie fordert, scheint das
wirkliche Problem zu sein. Das empfundene Dilemma liegt viel mehr darin
begründet, wie Gemeindeleiter NGE sehen und verstehen.
NGE will eben nicht ein weiteres "Dienstprogramm" sein, das dem
Gemeindeleben hinzugefügt wird und den Beteiligten noch mehr Arbeit
und Aufwand beschert. NGE ist viel mehr eine bestimmte Art und Weise,
Gemeinde zu leiten, Gemeinde zu gestalten und zu leben. Es geht nicht
darum, mehr Dienst zu tun, sondern den Gemeindedienst auf eine
andere Art und Weise zu tun. Der Schlüssel zu diesem besonderen
Dienstansatz sind die so genannten "biotischen" (Lebens-) Prinzipien im
Herzen der NGE. Sie veranlassen Henrik Andersen, den nationalen
NGE-Partner für Lettland, zu folgender Einschätzung: "NGE ist eine Art und
Weise, von und über Gemeinde zu denken." Gemeindeleiter, die diese
Lebensprinzipien verstehen und lernen, diese im Gemeindealltag anzuwenden,
werden ihren Dienst in einer neuen und "biotischen" Art und Weise tun, die
das Wachstumspotenzial, das Gott selbst in seiner Gemeinde angelegt hat,
freisetzen wird.
In die Zukunft der Gemeinde investieren
Wer beginnt, NGE in ihrem wirklichen
Anliegen zu verstehen, und ihren eigentlichen Wert erkennt, unternimmt den
ersten Schritt auf einem Weg aus dem Dilemma. Dieser Schritt ermöglicht
Gemeindeleitern, nicht nur von NGE für ihren Dienst zu profitieren,
sondern auch das Beste aus ihrer Zeit zu machen. Ein regelmäßiger
NGE-Gesundheits-Check hilft ihnen,
-
den besten Ansatzpunkt in ihrer
Gemeindearbeit zu finden - und damit den Bereich, auf den sie ihre Zeit
und Energie konzentrieren sollten ("Minimumfaktor")
-
die gegenwärtigen Stärken des
Gemeindelebens zu nutzen und für eine gesunde Gemeindeentwicklung
fruchtbar zu machen
-
solche Dienstmodelle, Tools und Ressourcen einzusetzen, die am
besten zu ihren Gemeinden passen und den aktuellen Bedürfnissen am
besten gerecht werden
-
einzuschätzen, inwieweit vorhandene Modelle, Tools und
Ressourcen auf die eigene Situation angepasst werden müssen.
Der Schlüssel zum Auflösen des Zeitdilemmas liegt in der Tat darin, die
möglichen Synergien zwischen NGE und den verschiedenen Dienstmodellen zu
entdecken und zu nutzen. Die Aussage eines nationalen NGE-Partners, der
sich gleichzeitig in der WillowCreek-Bewegung engagiert, ist dabei von
besonderem Interesse. Sie macht deutlich, welches fruchtbare
"Zusammenspiel" zwischen NGE und unterschiedlichen Dienstmodellen möglich
ist. In Bezug auf NGE und dem WillowCreek-Gemeindemodell bemerkt er: "NGE
hilft dabei, allgemein gültige Prinzipien vom WillowCreek-Modell
abzuleiten. Bei der Übersetzung des Willow-Modells in den eigenen
kulturellen Kontext liefert NGE nicht nur den besten Ansatzpunkt
(Minimumfaktor), sondern auch die entsprechenden Prinzipien für die
praktische Umsetzung."
Ein gründliches Verstehen dieser Lebensprinzipien und ihre
praktische Anwendung sind von entscheidender Bedeutung für die
NGE-Umsetzung auf lokaler Gemeindeebene. Erfordert das Lernen und Anwenden
dieser Prinzipien zusätzliche Zeit und Energie? Natürlich, vor allem am
Anfang. Werden Gemeindeleiter sich die Zeit nehmen müssen, um einzelne
Dienste auf dem Hintergrund dieser Prinzipien regelmäßig auszuwerten und -
falls notwendig - zu verändern? Bestimmt. Der Aufwand jedoch lohnt sich.
Gemeinden, die ihren Dienst an den Lebensprinzipien der NGE ausrichten,
werden nicht nur in die Lage versetzt, das Beste aus jedem Dienstmodell
für ihre spezifische Situation "herauszuholen" und zu nutzen. Ihre
Gemeindeleiter werden darüber hinaus bevollmächtigt, eigene, auf die
einzigartigen Bedürfnisse ihrer Gemeinden zugeschnittenen Dienste zu
entwickeln. Ferner werden sie Wege finden, einzelne Gemeindedienste
aufeinander zu beziehen, indem sie Synergien und vorhandene Energien in
kreativer Weise fruchtbar machen. Gemeindekulturen geprägt von isolierten
Dienstgruppen und Arbeitszweigen werden so in lebendige Dienstnetzwerke
umgewandelt. Biotisch denken und handeln lernen, erfordert sicherlich
etwas Zeit und Energie, ist aber eine lohnende Investition in die Zukunft
einer Gemeinde. Eine Investition, die mittel- und langfristig sogar Zeit
spart.
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