September 2004

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FOKUS  

Thomas Fode

Keine Zeit für NGE?

Gemeindeentwicklung, die sich auf den "Gesundheitszustand" von Gemeinden konzentriert, wird von vielen Gemeindeleitern begrüßt und gerne aufgenommen – zumindest im Grundsatz. Geht es um die praktische Umsetzung, finden sich Gemeindeleiter jedoch oft in einem inneren Zwiespalt wieder. Einerseits sind sie begeistert ...

... von der Vorstellung, ihren Gemeinden zu einer gesunden Entwicklung zu verhelfen. Sie lernen, die natürliche Gemeindeentwicklung (NGE) zu schätzen - ihre Prinzipien, Tools und Ressourcen. Andererseits spüren sie aber auch die zeitlichen Zwänge, die ein anspruchsvoller Gemeindedienst mit sich bringt. Das tägliche Führen und Versorgen einer Gemeinde fordert sie ganz.

Gefangen in einer Zeitfalle?

Nicht wenige Gemeindeleiter fühlen sich überfordert, wenn es darum geht, den NGE-Ansatz in ihren Ortsgemeinden einzuführen. Immerhin muss zusätzliche Zeit und Energie aufgebracht werden, um

  • sich selbst mit dem NGE-Ansatz vertraut zu machen und an einem einführenden Training teilzunehmen

  • Schlüsselpersonen im NGE-Prozess zu informieren und vorzubereiten, wie zum Beispiel die Umfrageteilnehmer und Mitglieder des Umsetzungsteams

  • den NGE-Kreislauf vorzubereiten und diesen 12-18 Monate umspannenden Prozess der Gemeinde vorzustellen

  • eine beflügelnde Vision für diesen Entwicklungsprozess zu vermitteln und im Gemeindebewusstsein zu halten.

Was vielen Gemeindeleitern bei NGE Sorgen bereitet, ist die zusätzliche Arbeit, die sie auf sich zukommen sehen. Die Frage, die sie bedrückt, lautet: "Wie sollen wir NGE nur noch in unserem vollen Gemeindekalender unterbringen?"

Was das Dilemma noch verschärft, ist die Tatsache, dass NGE nicht das einzige "Dienstprogramm auf dem Markt" ist. Andere Ansätze und Programme werden angeboten, mit eigenen Schwerpunkten, Plänen zur Umsetzung, Tools und Materialien. Alphakurse, zeitgenössische und auf suchende Menschen ausgerichtete Gottesdienste à la Willow Creek sowie Rick Warrens 40-tägige Reise Leben mit Vision stehen für einige dieser Ansätze. Leiter von Gemeinden, die auf bereits eines oder mehrere dieser Angebote in ihrer Gemeindearbeit zurückgreifen, tun sich oft besonders schwer mit NGE. Sie neigen dazu, in NGE ein weiteres "Programm" zu sehen, das sie ihrem vollen Gemeindeprogramm hinzufügen müssten, entschieden sie sich, dem NGE-Ansatz zu folgen. In ihrem Denken setzt sich nicht selten ein "entweder-oder" Ansatz durch. Entweder muss die Gemeinde ihr Programm reduzieren oder sogar ein Dienstprogramm einstellen (um Zeit für NGE zu gewinnen) oder die Leitung muss sich eingestehen: "Wir haben leider nicht die notwendige Zeit und Energie, um den NGE-Ansatz in unserer Gemeinde umzusetzen."

Ausweg in Sicht

Auch wenn die Art und Weise, wie Gemeindeleiter ihr Zeitdilemma empfinden, echt und ernst zu nehmen ist, verbirgt sich hinter diesem Zwiespalt ein anderes Problem. Weder ein volles Gemeindeprogramm noch die Überzeugung, dass NGE zu viel Zeit und Energie fordert, scheint das wirkliche Problem zu sein. Das empfundene Dilemma liegt viel mehr darin begründet, wie Gemeindeleiter NGE sehen und verstehen.

NGE will eben nicht ein weiteres "Dienstprogramm" sein, das dem Gemeindeleben hinzugefügt wird und den Beteiligten noch mehr Arbeit und Aufwand beschert. NGE ist viel mehr eine bestimmte Art und Weise, Gemeinde zu leiten, Gemeinde zu gestalten und zu leben. Es geht nicht darum, mehr Dienst zu tun, sondern den Gemeindedienst auf eine andere Art und Weise zu tun. Der Schlüssel zu diesem besonderen Dienstansatz sind die so genannten "biotischen" (Lebens-) Prinzipien im Herzen der NGE. Sie veranlassen Henrik Andersen, den nationalen NGE-Partner für Lettland, zu folgender Einschätzung: "NGE ist eine Art und Weise, von und über Gemeinde zu denken." Gemeindeleiter, die diese Lebensprinzipien verstehen und lernen, diese im Gemeindealltag anzuwenden, werden ihren Dienst in einer neuen und "biotischen" Art und Weise tun, die das Wachstumspotenzial, das Gott selbst in seiner Gemeinde angelegt hat, freisetzen wird.

In die Zukunft der Gemeinde investieren

Wer beginnt, NGE in ihrem wirklichen Anliegen zu verstehen, und ihren eigentlichen Wert erkennt, unternimmt den ersten Schritt auf einem Weg aus dem Dilemma. Dieser Schritt ermöglicht Gemeindeleitern, nicht nur von NGE für ihren Dienst zu profitieren, sondern auch das Beste aus ihrer Zeit zu machen. Ein regelmäßiger NGE-Gesundheits-Check hilft ihnen,

  • den besten Ansatzpunkt in ihrer Gemeindearbeit zu finden - und damit den Bereich, auf den sie ihre Zeit und Energie konzentrieren sollten ("Minimumfaktor")

  • die gegenwärtigen Stärken des Gemeindelebens zu nutzen und für eine gesunde Gemeindeentwicklung fruchtbar zu machen

  • solche Dienstmodelle, Tools und Ressourcen einzusetzen, die am besten zu ihren Gemeinden passen und den aktuellen Bedürfnissen am besten gerecht werden

  • einzuschätzen, inwieweit vorhandene Modelle, Tools und Ressourcen auf die eigene Situation angepasst werden müssen.

Der Schlüssel zum Auflösen des Zeitdilemmas liegt in der Tat darin, die möglichen Synergien zwischen NGE und den verschiedenen Dienstmodellen zu entdecken und zu nutzen. Die Aussage eines nationalen NGE-Partners, der sich gleichzeitig in der WillowCreek-Bewegung engagiert, ist dabei von besonderem Interesse. Sie macht deutlich, welches fruchtbare "Zusammenspiel" zwischen NGE und unterschiedlichen Dienstmodellen möglich ist. In Bezug auf NGE und dem WillowCreek-Gemeindemodell bemerkt er: "NGE hilft dabei, allgemein gültige Prinzipien vom WillowCreek-Modell abzuleiten. Bei der Übersetzung des Willow-Modells in den eigenen kulturellen Kontext liefert NGE nicht nur den besten Ansatzpunkt (Minimumfaktor), sondern auch die entsprechenden Prinzipien für die praktische Umsetzung."

Ein gründliches Verstehen dieser Lebensprinzipien und ihre praktische Anwendung sind von entscheidender Bedeutung für die NGE-Umsetzung auf lokaler Gemeindeebene. Erfordert das Lernen und Anwenden dieser Prinzipien zusätzliche Zeit und Energie? Natürlich, vor allem am Anfang. Werden Gemeindeleiter sich die Zeit nehmen müssen, um einzelne Dienste auf dem Hintergrund dieser Prinzipien regelmäßig auszuwerten und - falls notwendig - zu verändern? Bestimmt. Der Aufwand jedoch lohnt sich. Gemeinden, die ihren Dienst an den Lebensprinzipien der NGE ausrichten, werden nicht nur in die Lage versetzt, das Beste aus jedem Dienstmodell für ihre spezifische Situation "herauszuholen" und zu nutzen. Ihre Gemeindeleiter werden darüber hinaus bevollmächtigt, eigene, auf die einzigartigen Bedürfnisse ihrer Gemeinden zugeschnittenen Dienste zu entwickeln. Ferner werden sie Wege finden, einzelne Gemeindedienste aufeinander zu beziehen, indem sie Synergien und vorhandene Energien in kreativer Weise fruchtbar machen. Gemeindekulturen geprägt von isolierten Dienstgruppen und Arbeitszweigen werden so in lebendige Dienstnetzwerke umgewandelt. Biotisch denken und handeln lernen, erfordert sicherlich etwas Zeit und Energie, ist aber eine lohnende Investition in die Zukunft einer Gemeinde. Eine Investition, die mittel- und langfristig sogar Zeit spart.

Thomas Fode ist NGE-Berater und innerhalb des Instituts für natürliche Gemeindeentwicklung International für die Begleitung der nationalen NGE-Partner zuständig


 

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