September 2004

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FOKUS  

Philip Sung

Schockierende News für "Bethel Church": Eine Fallstudie aus Malaysia

In den vergangenen Jahren hatten wir insgesamt vier Gemeindeprofile auf der Grundlage der natürlichen Gemeindeentwicklung (NGE) erhoben. Jedes Profil zeigte deutliche Fortschritte im Bereich des jeweiligen Minimumfaktors. Nachdem wir 2002 die Gemeindeumfrage für unser fünftes Gemeindeprofil abgeschlossen hatten, warteten wir gespannt auf das Ergebnis.

Dieses brachte einen neuen Minimumfaktor ans Licht, nämlich Bevollmächtigende Leitung. Dieses Ergebnis überraschte uns, ja schockierte uns fast. Als Pastor war ich ziemlich enttäuscht über den Qualitätsrückgang in diesem Bereich. Unser Leitungsteam schien intakt und stark. Es gab weder Konflikte noch Streit oder Probleme zwischen oder mit einzelnen Leitern. Was war das Problem?
 

Gemeinsam mit den vollzeitlich angestellten Mitarbeitern und den Leitern der Zellgruppen versuchten wir in unserer Situationsanalyse mögliche Schwachpunkte in der Leiterschaft des Pastors und anderen Bereichsleitern auszumachen. Wir setzten uns mit möglichen Schlüsselproblemen auseinander, wie mangelnde Verbindlichkeit, Probleme im geistlichen Leben oder unzureichende Dienstauffassung. Unsere Analyse führte jedoch nur zu Mutmaßungen was mögliche Auslöser sein könnten. Nach einem Monat an Brainstorming und Auswertung waren wir immer noch nicht in der Lage, die Ursache für den Minimumfaktor auszumachen.

Dann kam Christoph Schalk zur Durchführung eines NGE-Trainingseminars nach Malaysia. Wir ergriffen die Gelegenheit und fragten ihn um Rat. Bei einer Mahlzeit baten wir ihn, uns bei der Ursachenforschung zu helfen. Konkret fragten wir nach möglichen Ursachen auf dem Hintergrund seiner persönlichen Erfahrung in Verbindung mit diesem Minimumfaktor. Dabei stellte er uns eine aufschlussreiche Frage: "Habt ihr vor kurzem einschneidende strukturelle Veränderungen in eurer Gemeinde vorgenommen?"

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Ja, das hatten wir. Wir hatten wichtige Veränderungen in Bezug auf unseren Gottesdiensttag, die Zeit und den Ablauf vorgenommen. Unseren Gottesdienst hatten wir von Sonntag auf Samstag und von 10.00 Uhr auf 20.00 Uhr verlegt. Die Anbetungszeit hatten wir vom Gottesdienstbeginn auf das Ende verlegt, um der Predigt mehr Gewicht zu geben. Diese Änderungen waren sechs Monate zuvor eingeführt worden. Dennoch hatten sich unsere Leute immer noch nicht daran gewöhnt und versuchten, sich in der neuen Struktur zurechtzufinden. Da wir nun eine Hauptursache für den qualitativen Rückgang in Bevollmächtigender Leitung entdeckt hatten, brauchten wir nur noch entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung planen.

Im Folgenden nun einige dieser Maßnahmen, die wir einleiteten:

 

1.

Wir präsentierten mehrere Einheiten zu "Dienender Leiterschaft" (Dr. John McGeorge), jeweils am ersten Sonntag eines jeden Monats. Um Leiter bevollmächtigen zu können, hielten wir es zunächst einmal für wichtig, das Wesen biblischer Leiterschaft (ein Leiter ist ein Diener) zu etablieren. Das bedeutete ein bewusstes Abweichen von einem traditionellen Verständnis des Kontrollierens und Herrschens, das sich auf Titel und Positionen konzentriert. Gelingt es uns, "echte Diener" zu prägen, die mit ihrem Dienst auf der untersten Ebene beginnen und sich im kleinsten Dienstbereich als treu erweisen, glauben wir, dass Gott aus ihnen starke Leiter formen kann, die auch einen wirkungsvollen Dienst in "hohen Positionen" tun können. In diesem Jahr (2004) haben wir damit begonnen, Laienprediger auszubilden. Bevor sie ihren Predigtdienst antreten, halten wir es für wichtig, dass sie das Herz eines Dieners entwickeln, mit einer demütigen Haltung gegenüber den Menschen, denen sie dienen.

2.

Wir begannen damit, Dienstgruppen auszusenden, um Ortsgemeinden in unterschiedlichen Staaten (Malaysia hat 13 davon) am letzten Sonntag eines Monats zu dienen. Nach den zurüstenden Einheiten zu "Dienender Leiterschaft", jeweils am ersten Sonntag eines Monats, gaben wir den Teilnehmern die Gelegenheit, sich am letzten Sonntag im Predigtdienst und anderen Diensten in kleineren Gemeinden auf dem Land zu üben. Diese Übungen waren Teil eines Prozesses, der die Einzelnen zu dienenden Leitern bevollmächtigen sollte.

3.

Eine Gruppe von Lehrern erklärte sich freiwillig dazu bereit, die Studiengebühren für unterprivilegierte Studenten zu erlassen, um unserer Stadt zu dienen. Das Anbieten von zusätzlichen Unterrichtsstunden nach der Schule gehörte zu einer weiteren Maßnahme, die unseren Gemeindegliedern helfen sollte, dienende Verantwortung für unsere Stadt einzuüben. Um den jungen Studenten zu dienen, zogen wir freiwillige Helfer aus unserer Gemeinde heran. Unsere Lehrer mussten dafür eigene Zeit, Kraft und finanzielle Mittel "opfern". 

4. Ich wurde zum Vorsitzenden eines Gemeindeausschusses ernannt, der für das Wohngebiet im Umfeld unserer Gemeinde zuständig war. Als solcher konnte ich den dort Wohnenden dienen und in ihren Bedürfnissen helfen. Für mich war das die beste Möglichkeit, ein sichtbares Beispiel für dienende Leiterschaft zu geben. Ich konnte das vorleben, was jedes Gemeindemitglied im Beruf und in der Nachbarschaft tun kann, um Salz und Licht Gottes zu sein. Alle unsere Leiter sollen dazu bevollmächtigt werden, Zeugnis und Segen in ihren Wohngebieten zu sein.

Ein Jahr war schnell vergangen. Inzwischen hatten sich die Gemeindemitglieder an die terminlichen Veränderungen gewöhnt, sich in neue Dienste investiert und mehr Leitungsverantwortung ihrer Begabung gemäß übernommen. Ein weiteres Gemeindeprofil wurde erhoben, in dem der Qualitätsindex für Bevollmächtigende Leitung 12 Punkte höher lag als vorher. Die Gemeinde war inzwischen nicht nur zahlenmäßig gewachsen. Durch das bereitwillige Anbieten von Diensten in Zeiten der Not, das Übernehmen von mehr Verantwortung und die Bereitschaft, Zeit und Kraft in die Förderung von Jüngerschaft vor Ort wie auch in den umliegenden Gemeinden zu investieren, hatte die Gemeinde auch an Reife zugenommen.

 

 

Rev. Philip Sung ist leitender Pastor der "Bethel Church" in Melaka (Malaysia) und Nationaler NGE-Partner für Malaysia


 

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