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"Die Welt ist im Wandel..." Gott lässt Neues entstehen unter uns. Und das
nicht nur an der innovativen (typischerweise anglophonen) Front der "emerging
church" mit ihren "boiler rooms", "monastic communities" und "virtual
seminars". Und auch nicht nur innerhalb der vielfältigen neuen
Gemeindeformen, die in den letzten beiden Artikeln beschrieben wurden. Ja,
Neues wächst auch innerhalb des vertrauten Rahmens unserer traditionellen
freikirchlichen Landschaft.
Insbesondere die Gründung neuer Gemeinden als Sammlungs- und Sendungsorte
mehr oder weniger lokal ansässiger Christen ist für die missionarische
Aufgabe von hoher Bedeutung.
Evangelikale Gemeindeneugründungen
Nicht alle freikirchlichen Bewegungen unseres Landes wachsen. Im
Gegenteil: Die meisten stagnieren oder schrumpfen. Nicht alle Bewegungen
gründen bewusst und zielorientiert neue Gemeinden. Nicht alle, aber immer
mehr. Immer mehr Gemeindebünde, Denominationen und gemeindliche Bewegungen
erkennen die Bedeutung bewusster Gemeindeneugründung, sowohl für ihre
missionarische Wirksamkeit als auch schlicht für ihr eigenes langfristiges
Überleben. Und es ist wohl auch auf ein gnädiges Wirken Gottes
zurückzuführen, dass es zunehmend schwer oder unmöglich ist, Schritt zu
halten mit dem Tempo der vielfältigen Gemeindegründungen in Deutschland.
Verschiedene christliche Medienorgane wiesen allein in den vergangenen
Monaten auf eine ganze Reihe dieser Entwicklungen hin: Laut "idea
Spektrum" (Juni 04) wurden in the letzten 10 Jahren mehr als 1.500 neue
Gemeinden gegründet. Neben den "unabhängigen charismatischen Gemeinden"
tun sich innerhalb der klassischen freikirchlichen Gemeindebünde
insbesondere die Konferenz für Gemeindegründung (KFG - ca.200), der Bund
Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP - ca. 140) und der Bund der Freien
evangelischen Gemeinden (BFeG - ca. 43) als besonders gründungsaktiv
hervor. Die KFG stellt in ihrer Zeitschrift "Gemeindegründung" (Nr. 79) 9
solcher Gemeindegründungsprojekte in Ostdeutschland vor. Mehr als 750
dieser neuen Gemeinden sind "ethnische Gemeinden" (überwiegend Gemeinden
afrikanischer oder russischsprachiger Einwanderer). "Charisma" (Nr. 130)
gibt einen Einblick in solche "Migrationsgemeinden" und deutet dabei auch
auf eine Zahl von 20-30 jüdisch-messianischen Gemeinden in Deutschland
hin.
Wer hat den Überblick?
So interessant solche Vergleichszahlen insbesondere für die strategisch
Gesinnten unter uns sind, so schwer sind sie auch zu validieren oder zu
aktualisieren. Das weiß jeder, der einmal versucht hat, zuverlässige und
wirklich vergleichbare statistische Zahlen in unserer heterogenen
Gemeindelandschaft zu erheben.
Basierend auf den öffentlichen Verlautbarungen der Gemeindebünde, auf
empirischen Handsammlungen, auf religionsstatistischen Veröffentlichungen
oder als Ergebnis umfangreicher Recherchen liegen dem Interessierten
einige wenige statistische Zusammenstellungen als Vergleichsmaterial vor:
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Wolfgang Simson 1993: "Wie christlich ist Deutschland?"
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Prof. Reinhard Henkel 1995: "Atlas der Kirchen und anderen
Religionsgemeinschaften in Deutschland"
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"Das Infobuch für Christen '97/'98"
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REMID, Religionswissenschaftlicher Medien- und Infodienst (www.remid.de)
2003
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VEF Datenbank 2003 (www.vef.info): Die Vereinigung
Evangelikaler Freikirchen (VEF) bemüht sich in ihrem langjährigen
Datenbankprojekt um eine Übersicht über die wachsende Anzahl
freikirchlicher Gemeinden und deren Mitgliedern. Ein wert- und
mühevolles Unterfangen, das in seinem momentanen Bestand knapp 3.000
Gemeinden innerhalb von 9 Gemeindebünden ausweist. Die Datenbank ist
über den Oncken-Verlag erhältlich.

Abbildung 1: VEF Gemeinden Prozentual (blau=wenig, grün=viel)
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Der Vollständigkeit halber sollten auch noch die umfassenden
Werke "Operation World" 2001 von Patrick Johnstone und die World
Christian Database von David Barrett genannt werden, deren
Zahlenmaterial allerdings primär vor dem Hintergrund der
Gebetsmobilisierung verstanden werden sollte.
Neueste Entwicklungen im Forschungsbereich
Man kann sich vorstellen, wie schwierig es ist, in einem großen und
vielschichtigen Land wie Deutschland den quantitativen und qualitativen
Fortschritt des Reiches Gottes abzubilden – gemessen nur einmal an der
Anzahl der Gemeinden. Sollte jetzt jemand auch noch interessiert sein am
internationalen Vergleich, an der Dynamik der Gemeindegründung in
Rumänien, Norwegen oder Frankreich, um von der Erfahrung unserer
europäischen Nachbarländer zu lernen, so liegt es nahe, dass dies nur ein
gemeinsames Forschungsunterfangen sein kann. Einen solchen "Runden Tisch"
europäischer Gemeinde- und Missionsforscher hat das "DAWN European Network"
kürzlich gemeinsam mit mehreren Missionsgesellschaften initiiert, den
"European Mission Researchers Round-table" (www.dawneurope.net/research).
Unser großes gemeinsames Missionsfeld Europa... Im Zeitalter der
Migrationsgemeinden und Discountflieger sollten wir unseren Blick über
unsere Landesgrenzen hinaus weiten.
Was ist damit gemeint?
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"e-merging church" |
die neue "auftauchende"
Gemeindekultur, geprägt von globaler Vernetzung, den digitalen
Medien und einem hohen Maß an Authentizität, Subjektivität und
Beziehungsorientierung |
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"boiler rooms" |
"Heizkesselräume" gemeinsamen
24/7 Gebets, erweitert durch eine Lebensgemeinschaft und eine
(meist) jugendliche Pilgerreisende (http://www.boiler-rooms.com/modules.php?op=modload&name=knowledge&file=kbasepage&LinkID=38) |
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"monastic communities" |
"Neuklösterliche
Lebensgemeinschaft" in Anlehnung an die "Monasteric
Communities" des keltischen Kirchenvaters Patrick, deren
gemeinschaftliches Leben durch ganzheitlichen Dienst an der
regionalen Bevölkerung geprägt war (siehe Septemberausgabe) |
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"virtual seminars" |
Ein internetbasiertes
Onlinetreffen zu Gesprächen über die "emerging church" in Form
virtueller Personen innerhalb eines virtuellen Hotels
(www.habbohotel.co.uk) |
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Hintergrund zu dieser Themenreihe:
Dieser Artikel ist der erste Teil einer
kleinen offenen Publikationsreihe zur Gemeindegründungsforschung des "DAWN European
Network". Unsere Forschung orientiert sich an dem klassischen
missiologischen Ansatz des Erntefeldes der Gesellschaft und der Erntekraft
der Gemeinde. Ergänzt wird dieser Ansatz durch unser spezielles Interesse
an der Erntedynamik, die sich in Gemeindegründung, neuen Gemeindeformen
und prophetischen Ausblicken ausdrückt. |
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