November 2004

 

 

 



 

Aktuell
 
   

Andreas Wolf

Neue Blüten in der Gemeindelandschaft (Teil 3)
[Diese Serie begann in der Ausgabe Juni 2004]

"Die Welt ist im Wandel..." Gott lässt Neues entstehen unter uns. Und das nicht nur an der innovativen (typischerweise anglophonen) Front der "emerging church" mit ihren "boiler rooms", "monastic communities" und "virtual seminars". Und auch nicht nur innerhalb der vielfältigen neuen Gemeindeformen, die in den letzten beiden Artikeln beschrieben wurden. Ja, Neues wächst auch innerhalb des vertrauten Rahmens unserer traditionellen freikirchlichen Landschaft.

Insbesondere die Gründung neuer Gemeinden als Sammlungs- und Sendungsorte mehr oder weniger lokal ansässiger Christen ist für die missionarische Aufgabe von hoher Bedeutung.

Evangelikale Gemeindeneugründungen

Nicht alle freikirchlichen Bewegungen unseres Landes wachsen. Im Gegenteil: Die meisten stagnieren oder schrumpfen. Nicht alle Bewegungen gründen bewusst und zielorientiert neue Gemeinden. Nicht alle, aber immer mehr. Immer mehr Gemeindebünde, Denominationen und gemeindliche Bewegungen erkennen die Bedeutung bewusster Gemeindeneugründung, sowohl für ihre missionarische Wirksamkeit als auch schlicht für ihr eigenes langfristiges Überleben. Und es ist wohl auch auf ein gnädiges Wirken Gottes zurückzuführen, dass es zunehmend schwer oder unmöglich ist, Schritt zu halten mit dem Tempo der vielfältigen Gemeindegründungen in Deutschland.

Verschiedene christliche Medienorgane wiesen allein in den vergangenen Monaten auf eine ganze Reihe dieser Entwicklungen hin: Laut "idea Spektrum" (Juni 04) wurden in the letzten 10 Jahren mehr als 1.500 neue Gemeinden gegründet. Neben den "unabhängigen charismatischen Gemeinden" tun sich innerhalb der klassischen freikirchlichen Gemeindebünde insbesondere die Konferenz für Gemeindegründung (KFG - ca.200), der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP - ca. 140) und der Bund der Freien evangelischen Gemeinden (BFeG - ca. 43) als besonders gründungsaktiv hervor. Die KFG stellt in ihrer Zeitschrift "Gemeindegründung" (Nr. 79) 9 solcher Gemeindegründungsprojekte in Ostdeutschland vor. Mehr als 750 dieser neuen Gemeinden sind "ethnische Gemeinden" (überwiegend Gemeinden afrikanischer oder russischsprachiger Einwanderer). "Charisma" (Nr. 130) gibt einen Einblick in solche "Migrationsgemeinden" und deutet dabei auch auf eine Zahl von 20-30 jüdisch-messianischen Gemeinden in Deutschland hin.

Wer hat den Überblick?

So interessant solche Vergleichszahlen insbesondere für die strategisch Gesinnten unter uns sind, so schwer sind sie auch zu validieren oder zu aktualisieren. Das weiß jeder, der einmal versucht hat, zuverlässige und wirklich vergleichbare statistische Zahlen in unserer heterogenen Gemeindelandschaft zu erheben.

Basierend auf den öffentlichen Verlautbarungen der Gemeindebünde, auf empirischen Handsammlungen, auf religionsstatistischen Veröffentlichungen oder als Ergebnis umfangreicher Recherchen liegen dem Interessierten einige wenige statistische Zusammenstellungen als Vergleichsmaterial vor:

  • Wolfgang Simson 1993: "Wie christlich ist Deutschland?"

  • Prof. Reinhard Henkel 1995: "Atlas der Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften in Deutschland"

  • "Das Infobuch für Christen '97/'98"

  • REMID, Religionswissenschaftlicher Medien- und Infodienst (www.remid.de) 2003

  • VEF Datenbank 2003 (www.vef.info): Die Vereinigung Evangelikaler Freikirchen (VEF) bemüht sich in ihrem langjährigen Datenbankprojekt um eine Übersicht über die wachsende Anzahl freikirchlicher Gemeinden und deren Mitgliedern. Ein wert- und mühevolles Unterfangen, das in seinem momentanen Bestand knapp 3.000 Gemeinden innerhalb von 9 Gemeindebünden ausweist. Die Datenbank ist über den Oncken-Verlag erhältlich.


    Abbildung 1: VEF Gemeinden Prozentual (blau=wenig, grün=viel)

  • Der Vollständigkeit halber sollten auch noch die umfassenden Werke "Operation World" 2001 von Patrick Johnstone und die World Christian Database von David Barrett genannt werden, deren Zahlenmaterial allerdings primär vor dem Hintergrund der Gebetsmobilisierung verstanden werden sollte.


Neueste Entwicklungen im Forschungsbereich

Man kann sich vorstellen, wie schwierig es ist, in einem großen und vielschichtigen Land wie Deutschland den quantitativen und qualitativen Fortschritt des Reiches Gottes abzubilden – gemessen nur einmal an der Anzahl der Gemeinden. Sollte jetzt jemand auch noch interessiert sein am internationalen Vergleich, an der Dynamik der Gemeindegründung in Rumänien, Norwegen oder Frankreich, um von der Erfahrung unserer europäischen Nachbarländer zu lernen, so liegt es nahe, dass dies nur ein gemeinsames Forschungsunterfangen sein kann. Einen solchen "Runden Tisch" europäischer Gemeinde- und Missionsforscher hat das "DAWN European Network" kürzlich gemeinsam mit mehreren Missionsgesellschaften initiiert, den "European Mission Researchers Round-table" (www.dawneurope.net/research).

Unser großes gemeinsames Missionsfeld Europa... Im Zeitalter der Migrationsgemeinden und Discountflieger sollten wir unseren Blick über unsere Landesgrenzen hinaus weiten.

 
Was ist damit gemeint?

"e-merging church"

die neue "auftauchende" Gemeindekultur, geprägt von globaler Vernetzung, den digitalen Medien und einem hohen Maß an Authentizität, Subjektivität und Beziehungsorientierung

"boiler rooms"

"Heizkesselräume" gemeinsamen 24/7 Gebets, erweitert durch eine Lebensgemeinschaft und eine (meist) jugendliche Pilgerreisende (http://www.boiler-rooms.com/modules.php?op=modload&name=knowledge&file=kbasepage&LinkID=38)

"monastic communities"

"Neuklösterliche Lebensgemeinschaft" in Anlehnung an die "Monasteric Communities" des keltischen Kirchenvaters Patrick, deren gemeinschaftliches Leben durch ganzheitlichen Dienst an der regionalen Bevölkerung geprägt war (siehe Septemberausgabe)

"virtual seminars"

Ein internetbasiertes Onlinetreffen zu Gesprächen über die "emerging church" in Form virtueller Personen innerhalb eines virtuellen Hotels (www.habbohotel.co.uk)

 

 

Hintergrund zu dieser Themenreihe:

Dieser Artikel ist der erste Teil einer kleinen offenen Publikationsreihe zur Gemeindegründungsforschung des "DAWN European Network". Unsere Forschung orientiert sich an dem klassischen missiologischen Ansatz des Erntefeldes der Gesellschaft und der Erntekraft der Gemeinde. Ergänzt wird dieser Ansatz durch unser spezielles Interesse an der Erntedynamik, die sich in Gemeindegründung, neuen Gemeindeformen und prophetischen Ausblicken ausdrückt.

 

Andreas Wolf wohnt mit seiner Frau Christine zwischen Magdeburg und Brandenburg. Er ist freiberuflich tätig als Projektmanager, Moderator und Mediator und innerhalb des "DAWN European Network" für Gemeindegründungsforschung zuständig

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