November 2004

 

 

 



 

Spektrum  
 
   

Christoph Schalk

Ziele erreichen durch Coaching (Teil 3)
[Diese Serie begann in der Ausgabe Juni 2004]

Coaches helfen Menschen dabei, ihre Probleme zu analysieren, Optionen zu entdecken, Lösungen zu finden und Entscheidungen zu treffen. Ein weiteres wichtiges Element eines Coaching-Prozesses besteht darin, an die Seite der zu begleitenden Person zu treten und ihr dabei zu helfen, ihre Pläne langfristig umzusetzen. Ein wirkungsvolles Instrument, das der Coach hier zum Einsatz bringen kann, ist das Einführen von Strukturen.

Was meine ich mit "Einführen von Strukturen"? Unter einer "Struktur" in diesem Zusammenhang verstehe ich eine geeignete Methode, die Coachees daran erinnert, ihre Pläne umzusetzen.

Die meisten Menschen haben keine Mühe, Optionen zu entdecken und Entscheidungen zu treffen, solange ihr Coach sie dabei unterstützt. Viel schwerer fällt es ihnen dagegen, auf Kurs zu bleiben und ihre langfristigen Ziele umzusetzen. Nicht, weil sie nicht dazu in der Lage wären oder die notwendigen Fähigkeiten hätten. Vielmehr, weil sie langfristige Prozesse nicht gewohnt sind. Sie vergessen ihre Pläne und Ziele einfach. Was sie brauchen, sind "Strukturen", die Sie immer wieder daran erinnern.

Coaches können Coachees dabei helfen, solche Strukturen in ihr Leben einzuführen, um sie daran zu erinnern, dass sie gewisse Ziele erreichen wollen. Im Folgenden finden Sie einige Beispiele für solche Strukturen. Hoffentlich regen sie Ihre Kreativität an, damit Sie geeignete Strukturen für Ihre Coachees finden (mein Vorschlag: Lassen Sie Ihre Coachees selbst einige dieser Strukturen in einem Brainstorming entdecken):

  • "Post it"-Notizen auf dem Schreibtisch: Diese kleinen Klebenotizen helfen uns dabei, viele alltäglichen Dinge nicht aus dem Blick zu verlieren. Was spricht also dagegen, sie zu nutzen, um uns an Ziele und Pläne zu erinnern, die wir in einer Coaching-Sitzung ausgearbeitet haben?

  • Erinnerungsfunktion in MS-Outlook: Verwendet der Coachee Outlook oder eine ähnliche Kalender-Software, kann er sich täglich oder wöchentlich erinnern lassen, um die eigenen Ziele, Pläne und Meilensteine zu überprüfen. Eine ziemlich einfache, aber wirkungsvolle Methode.

  • Gemeinsames Joggen mit Coachees (die sich vorgenommen haben, ihre eigene Fitness zu verbessern): Eine großartige Möglichkeit, sie zu motivieren, indem man sie wissen lässt, dass sie sich ihren Zielen und Plänen nicht alleine stellen müssen.

  • Einladen von Gästen zum Essen zweimal im Monat: Diese kreative Struktur kann für Coachees hilfreich sein, die sicher stellen wollen, dass sie ihre Wohnung regelmäßig putzen und aufräumen  .

  • Regelmäßige Coaching-Sitzungen: Als Coach können auch Sie eine wertvolle "Struktur" sein. Einfach dadurch, dass Sie sich mit Ihren Coachees regelmäßig treffen, um sie an ihre Ziele zu erinnern und mit ihnen gemeinsam Fortschritte zu überprüfen.

Wie Sie sehen, hängen diese Strukturen von der persönlichen Situation des jeweiligen Coachees ab. Kreativität ist deshalb gefragt beim Suchen nach geeigneten Strukturen. Werden solche Strukturen jedoch gefunden und eingesetzt, helfen sie sehr bei der praktischen Umsetzung. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass beide Parteien, Coach und Coachee, eine oder mehrere Strukturen miteinander vereinbaren.

Christoph Schalk lebt mit seiner Familie in Würzburg und leitet das internationale Berater-Netzwerk des Instituts für natürliche Gemeindeentwicklung.

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Jochen Hackstein

Grundkurs Fundraising (Teil 3)
[Diese Serie begann in der Ausgabe Juni 2004]

Fundraising heißt systematisch geplante und durchgeführte Mittelbeschaffung. Eben nicht: "Wir brauchen unbedingt Geld, wo können wir es schnell her bekommen?" Im Teil 1 ging es um die Fundraising-Strategie, im Teil 2 um die private Kleinspende und die Großspende. Nun sollen Unternehmensspenden, Sponsoring und Erbschaften im Mittelpunkt stehen.
 

1. Unternehmensspenden

Der Übergang von Privatspenden zu Unternehmensspenden ist fließend. Hinter den meisten Leuten mit Geld steckt eine Firma und Geschäftsinteressen.

Bei der Bitte um Unternehmensspenden muss man sich über den Nutzen im Klaren sein, den der Verein dem Unternehmen bieten kann als ideelle Gegenleistung für eine Spende. Ein Appell zur "Demonstration gesellschaftlichen Engagements" zieht nicht mehr. Eher schon eine Meldung in der Zeitung. Gespendet wird aus freien Stücken, wenn Sie gute Öffentlichkeits- und Überzeugungsarbeit geleistet haben. Auch hier gilt: Werben kostet Geld – Nichtwerben kostet Kunden. Und: Wer nicht wirbt, stirbt!

Zuerst ist zu überlegen, welche Firmen in der Nähe sitzen oder zu welchen schon Kontakte bestehen. Die Kontaktaufnahme selbst kann über verschiedene Wege erfolgen: persönlich, telefonisch oder schriftlich. Allerdings stoßen persönliche Kontakte auf die größte Resonanz. Meist ist der Marketing-Chef oder der Unternehmer selbst der richtige Ansprechpartner.
 

2. Sponsoring

Der Scheck heiligt die Mittel? Mit der Suche nach der berühmten "Nadel im Heuhaufen" kommen wir zum bekanntesten Mythos des Fundraising überhaupt, zum Sozio-Sponsoring. Sponsoring bezeichnet die professionelle Zusammenarbeit mit Unternehmen, die sich davon eine neuartige Unternehmenskommunikation erwarten. (Unternehmens-) Spenden sind kein Sponsoring, auch wenn landläufig in letzter Zeit viele Unterstützungsformen unter dem Begriff "sponsern" laufen.

Kurz gesagt: Ziel beim Sponsor ist das Steigern des Bekanntheitsgrades und Verbessern des Images seines Wirtschaftsunternehmens -- in der Öffentlichkeit, bei den Kunden und auch bei den Mitarbeitern. Bei der gesponserten Einrichtung steht dagegen die Mittelbeschaffung im Vordergrund.

Sponsoring -- wohlgemerkt im NPO-Bereich -- ist das "Sahnehäubchen" des Fundraising, eher etwas für Präsentationsgeübte und Fortgeschrittene. Die Anforderungen der Sponsoring-Kooperation an die Professionalität der NPO-Partner sind enorm und die Rechtssprechung kompliziert.
 

3. Erbschaften

In den letzten Jahren gab es keinen Fundraising-Kongress ohne Referate zu Legatenwerbung, Bitte um Vermächtnisse oder Testamentsspenden. Die großen Vermögen der "Erbengeneration" machen sich bemerkbar. In den nächsten Jahren rollt die Erbschaftswelle, bei der bis zu 1,3 Billionen EUR vererbt werden.

Allerdings herrschen an der Basis kleinerer Organisationen immer noch Bedenken bis hin zur Angst vor professionellem Erbschaftsmarketing. Gerade bei diesem Fundraising-Thema, das lange Zeit nur sehr verschämt behandelt wurde, gilt, dass nicht zu wenige geben, sondern dass zu wenige gefragt werden.
 

Jochen Hackstein (37) leitet die Agentur fundraising & consulting, eine Agentur für Spendenmarketing und Unternehmensberatung im sozialen Sektor. Mit einem Team leitet er eine Vineyard-Gemeindegründung in Berlin.

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