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Das Wort Gottes predigen ist ein Schlüsselelement der Gemeinde.
Während die Bedeutung der Predigt generell oft unterschätzt wird, wird die
lebensverändernde Kraft einiger Predigtstile oft überschätzt: Durch Wissen
allein verändert niemand sein Leben -- auch wenn einige Prediger das
glauben.
Wissenschaftliche Untersuchungen können uns helfen, mehr über die
lebensverändernden Aspekte von Predigten herauszufinden und unseren
Predigtstil entsprechend zu verbessern.
Als Teil des Teams des "Instituts für natürliche
Gemeindeentwicklung International" führten wir kürzlich Untersuchungen
darüber durch, wie Predigten die Gesundheit von Ortsgemeinden
beeinflussen. Dafür zogen wir unsere weltweite Datenbank zu Rate mit
Fakten über 33.000 Gemeinden aus über 50 Ländern. In diesem Artikel wollen
wir untersuchen, inwiefern die Qualität von Predigten einen Bezug zu
anderen Qualitätsmerkmalen hat -- angefangen bei inspirierendem
Gottesdienst bis hin zu evangelistischer Effektivität und
leidenschaftlicher Spiritualität.
Predigt ist ein sehr wichtiges Kommunikationsmittel für Gottes
Volk: Propheten predigten, Jesus predigte, die Jünger predigten. Die
Predigt war ein Teil des Lebens in der Urkirche (Apostelgeschichte 5,42;
10,42; 14,15; 15,21; 16,6.10; 17,3 usw.). Wie sehr ist sie noch heute ein
Auslöser für Veränderungen? Bringt eine Predigt neues geistliches Leben?
Entfacht sie eine neue Begeisterung für den Glauben? Entzündet sie einen
neuen Enthusiasmus dafür, Menschen für Jesus zu gewinnen?
Predigt ist nicht gleich Predigt, Prediger nicht gleich Prediger.
Es gibt und gab einige Prediger auf der Welt, die eine außergewöhnliche
Gabe besitzen, Gottes Wort zu verkündigen. Wenn sie predigen, rühren sie
das Herz vieler Menschen an. Die Daten der NGE (Natürliche
Gemeindeentwicklung) zeigen jedoch, dass man nicht unbedingt Billy Graham,
Bill Hybels oder Chuck Swindoll sein muss, um eine lebensverändernde
Predigt zu halten.
Nicht viel Langeweile im Gottesdienst
Zuerst die gute Nachricht: Weltweit mögen
die Christen –- im allgemeinen -– die Predigten ihrer Pastoren. Sie hören
ihnen gern zu, und ihnen ist während des Gottesdienstes selten langweilig:
Nur 5 Prozent derjenigen, die regelmäßig den Gottesdienst besuchen, hören
die Predigten kaum oder nie gern, und 19 Prozent hören Predigten
durchschnittlich gern, 39 Prozent hingegen hören die Predigten gern, und
37 Prozent hören die Predigten sehr gern (siehe Diagramm 1). 7 Prozent
finden den Gottesdienst oft langweilig, 16 Prozent finden ihn manchmal
langweilig, 37 finden ihn selten langweilig und 40 Prozent finden ihn nie
langweilig (Diagramm 2).
.


Ein anderer Aspekt ist die Frage, inwiefern
die Predigten die Bedürfnisse der Menschen ansprechen. Eine Frage bei der
Untersuchung der NGE lautet deshalb: Haben Sie das Gefühl, dass die
Predigten im Gottesdienst Ihre persönliche Situation ansprechen? Nur 8
Prozent der Gottesdienstbesucher sind der Meinung, dass die Predigt keinen
Bezug zu ihrem persönlichen Leben hat, 25 Prozent geben an, dass sie einen
durchschnittlichen Bezug hat, und eine große Mehrheit von 67 Prozent
stimmt der Aussage "Ich habe das Gefühl, dass die Predigten im
Gottesdienst meine persönliche Situation ansprechen" zu einem großen oder
sehr großen Maß zu (Diagramm 3).

Mit anderen Worten: Von Gemeindemitgliedern
kommt nicht allzu viel Kritik an den Predigten ihrer Pastoren. Aber wie
sieht es mit den Auswirkungen aus, die diese Predigten haben? Beeinflussen
sie Wachstum und Qualität der Gemeinde? Wenn ja, welche Art von Predigten
sind das??
Die Auswirkungen von bedürfnisorientierten Predigten
Die Gesundheit einer Gemeinde ist von vielen Aspekten abhängig. Eines der
Elemente, die etwas über ihre Gesundheit aussagen, ist die Predigt. Unsere
Untersuchungen bestätigen, dass Gemeinden, in denen man den Predigten gern
zuhört, und in denen Predigten die persönliche Situation ihrer Zuhörer
ansprechen, gesünder sind. Alle acht Qualitätsmerkmale der natürlichen
Gemeindeentwicklung (bevollmächtigende Leitung, gabenorientierte
Mitarbeiterschaft, leidenschaftliche Spiritualität, zweckmäßige
Strukturen, inspirierender Gottesdienst, ganzheitliche Kleingruppen,
bedürfnisorientierte Evangelisation, liebevolle Beziehungen) zeigen, dass
zwischen der Gesundheit der Gemeinde und der Qualität ihrer Predigten ein
Zusammenhang besteht (Diagramme 4 und 5).


Zur Erklärung dieser Diagramme: Eine durchschnittliche Gemeinde
hat bei jedem der acht Qualitätsmerkmale einen Wert von 50. Die Diagramme
zeigen, dass in Gemeinden mit einem hohen Qualitätsindex (60 oder höher)
im Bereich "inspirierender Gottesdienst" oder sogar bei allen acht
Qualitätsmerkmalen eine große Mehrheit der Gottesdienstteilnehmer angibt:
"Die Predigt spricht meine persönliche Situation an" oder "Ich höre den
Predigten gern zu". Gemeinden mit einem niedrigen Qualitätsindex (40 oder
niedriger) haben Predigten, denen man nicht gern zuhört, oder bei denen
die Zuhörer das Gefühl haben, ihre persönlichen Bedürfnisse werden nicht
angesprochen.
Das soll nicht heißen, dass die Predigt der
entscheidende Faktor bei der Beurteilung der Gesundheit einer Gemeinde
wäre. Ganz klar aber ist: Die Predigt kann etwas bewirken. Der engste
Zusammenhang zwischen der Qualität des Gemeindelebens und der Predigt ist
naturgemäß an einem inspirierenden Gottesdienst zu erkennen. Die folgende
Tabelle zeigt, welcher Zusammenhang zwischen der Predigt und anderen
Aspekten des Gottesdienstes besteht (zwischen je zwei Aspekten besteht ein
starker Zusammenhang):
-
Zwischen "Ich höre den Predigten gern zu" und "Der Gottesdienst
ist für mich eine inspirierende Erfahrung";
-
Zwischen "Die Predigten sprechen meine persönliche Situation
an" und "Der Gottesdienst hat einen positiven Einfluss auf mich".
Der erste Zusammenhang beschreibt die unmittelbare Erfahrung des
Gottesdienstes, die seelische Erbauung. Der zweite Zusammenhang spricht
mehr die Auswirkungen eines inspirierenden Gottesdienstes an –- das heißt
eine Lebensveränderung, die durch das Hören auf die Predigt und die
Teilnahme am Gottesdienst bewirkt wird. Statistisch belegt können wir also
sagen, dass eine Predigt von guter Qualität sehr stark sowohl zur
geistlichen Erbauung der Gottesdienstteilnehmer beiträgt als auch Impulse
für Lebensveränderungen gibt.
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Anmerkung:
Alle Ergebnisse weisen eine Korrelation mit hoher Signifikanz
auf (p= 0,000). |
Der
Gottesdienstbesuch ist für mich ein inspirierendes Erlebnis. |
Ich habe
das Gefühl, dass der Gottesdienst eine positive Wirkung auf mich
hat. |
Ich
langweile mich oft im Gottesdienst. |
| Ich höre
den Predigten im Gottesdienst gern zu. |
0,623
|
0,583 |
-0,481 |
| Ich habe
das Gefühl, dass die Predigt im Gottesdienst meine persönliche
Situation anspricht. |
0,585
|
0,623
|
-0,485 |
Zur Erklärung dieser Tabelle: Der Zusammenhang zwischen den
Aussagen wird als Korrelationskoeffizient berechnet. Mit einem Wert
zwischen +1 und –1 drückt der Koeffizient aus, in welche Richtung dieser
Zusammenhang weist (positiv oder negativ), und wie stark er ist. Je höher
die Zahl der Gemeindemitglieder ist, die gleichzeitig mit zwei Aussagen
übereinstimmen oder nicht übereinstimmen, um so stärker nähert sich der
Koeffizient dem Wert +1. Ein Korrelationskoeffizient von Null oder nahe
Null bedeutet, dass zwischen den zwei betreffenden Punkten kein
systematischer Zusammenhang zu erkennen ist. Ein Korrelationskoeffizient
sollte größer als +0,4 (oder kleiner als –0,4) sein.
Ein Drittel mehr Gottesdienstbesucher durch bedürfnisorientierte
Predigten
Es mag Zeiten gegeben haben, in denen die Leute zum Gottesdienst kamen,
egal welche Qualität der Gottesdienst und die Predigt hatten. Heute
scheint dies jedoch nicht mehr der Fall zu sein. Die Qualität der Predigt
und ihr Bezug zur persönlichen Situation der Zuhörer kann beim
Gottesdienstbesuch einen Unterschied von 33 bis 38 Prozent ausmachen. Das
heißt: Wenn 100 Personen am Gottesdienst teilnehmen, die der Predigt nicht
gern zuhören, kämen wahrscheinlich 150 Gottesdienstbesucher, wenn die
Predigt so wäre, dass man ihr gern zuhört. Oder wenn es 200
Gottesdienstteilnehmer sind, die die Predigten als nicht relevant für ihr
Leben empfinden, könnten bis zu 120 Personen mehr in den Kirchenbänken
sitzen, wenn die Predigten die persönliche Situation dieser Menschen
anspräche.
|
Anzahl der Gottesdienstteilnehmer basierend auf
einer Übereinstimmung mit den folgenden Aussagen |
Aussage
26: Ich höre den Predigten im Gottesdienst gern zu. |
Aussage
45: Ich habe das Gefühl, dass die Predigt im Gottesdienst meine
persönliche Situation anspricht. |
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Sehr große Übereinstimmung |
251
Teilnehmer |
265
Teilnehmer |
|
Große Übereinstimmung |
213
Teilnehmer |
222
Teilnehmer |
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Durchschnittliche Übereinstimmung |
187
Teilnehmer |
185
Teilnehmer |
|
Kaum eine Übereinstimmung |
177
Teilnehmer |
175
Teilnehmer |
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Überhaupt keine Übereinstimmung |
169
Teilnehmer |
164
Teilnehmer |
Aber darin liegt vielleicht nicht der einzige Grund für die Anzahl der
Gottesdienstbesucher, denn der Zusammenhang zwischen der Qualität von
Predigten und der Attraktivität von Gottesdiensten für Außenstehende ist
gering (Korrelation: 0,14). Allerdings lädt ungefähr ein Drittel der
Gottesdienstbesucher lieber Außenstehende in die Gemeinde ein, wenn sie
wissen, dass dort gute Predigten zu hören sind. Genauso sehr wie die
Predigt nicht der einzige Schlüssel für die Gesundheit einer Gemeinde ist,
sollte sie auch nicht als das vorrangige und/oder wichtigste
Evangelisationsmittel betrachtet werden. Effektive Evangelisation ist ein
Prozess, der aus vielen verschiedenen Elementen besteht. Die Predigt ist
nur eines dieser Elemente.
Und nun die schlechte Nachricht ...
Das letzte Untersuchungsergebnis betrifft den Zusammenhang zwischen der
Qualität von Predigten und der Frage nach dem geistlichen Leben der
Zuhörer. Die meisten Korrelationen in der folgenden Tabelle sind schwach.
Wir müssen zugeben, dass gute Predigten nicht automatisch das Leben der
Zuhörer verändern. Ihre Auswirkungen sind begrenzt. Wie bereits
festgestellt: Die Predigt ist nur ein Teil eines Pakets, das eine
Veränderung im Leben von Menschen bewirkt. Predigen allein genügt nicht
(siehe folgende Tabelle).
Anmerkung:
Alle Ergebnisse weisen eine Korrelation mit hoher Signifikanz auf
(p= 0,000). |
Ich lese
gern selbst in der Bibel. |
Ich
mache die Erfahrung, dass der Glaube mich in den verschiedenen
Bereichen meines Lebens verändert (Beruf, Familie, Freizeit usw.) |
Das Wort
Gottes ist die wichtigste Autorität bei meinen alltäglichen
Entscheidungen. |
Ich habe
sehr oft Grund, Gott für sein Wirken in meinem Leben zu danken. |
| Ich höre
den Predigten im Gottesdienst gern zu. |
0,229
|
0,239
|
0,210
|
0,269 |
| Ich habe
das Gefühl, dass die Predigt im Gottesdienst meine persönliche
Situation anspricht. |
0,188
|
0,262
|
0,234
|
0,300 |
Schlussfolgerung: Es besteht ein Zusammenhang zwischen
bedürfnisorientierten Predigten und einer insgesamt hohen Qualität der
Gemeinde, mehr Gemeindewachstum und einer höheren Motivation der
Gottesdienstbesucher, neue Leute einzuladen. Ihre direkte Auswirkung auf
eine Lebensveränderung der Zuhörer ist jedoch begrenzt. Predigten scheinen
eine wichtige Rolle als Puzzleteil des Gemeindelebens insgesamt zu
spielen, aber um Menschen zu bewegen, ihr Verhalten zu ändern und um sie
zu einem Leben als Nachfolger Jesu zu führen, sind auch Elemente wie
Training, Jüngerschaft etc. nötig.
Christoph Schalk lebt
in Würzburg und leitet das internationale Berater-Netzwerk des Instituts
für natürliche Gemeindeentwicklung.
Petr Činčala (PhD)
lebt in der Tschechischen Republik und ist als Research Manager für das
Institut für natürliche Gemeindeentwicklung International tätig. |
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