Januar 2005

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FOKUS  

Jeff Berrie

Gibt es Synergie-Effekte zwischen der natürlichen Gemeindeentwicklung (NGE) und der Willow Creek-Bewegung?

Diese Frage trifft den Kern einer verbreiteten Sorge unter den Gemeinden, die sich dafür entschieden haben, Willow Creek oder andere Gemeindestrategien umzusetzen. Lässt NGE sich mit diesen Strategien vereinbaren oder wird sie unweigerlich mit anderen Ansätzen kollidieren?

Wenn ich NGE vorstelle, höre ich oft: "Oh, wir folgen Saddleback oder Willow Creek oder dem Ansatz der Metagemeinde". Ein bestimmtes Modell hat sich in der Gemeindekultur etabliert. Ein Modell, das die Leiter in der Gemeinde gut kennen und verstehen. Nun fürchten sie, dass unterschiedliche Systeme aufeinander prallen, Verwirrung stiften und ihre Gemeinde Richtung verlieren könnte.

Ich möchte der Frage nach der Spannung oder Synergie zwischen beiden Ansätzen aus dem Blickwinkel unserer Diensterfahrung am Leadership Centre Willow Creek Canada nachgehen. Als Leadership Centre sind wir der Partner der Willow Creek Association wie auch der der natürlichen Gemeindeentwicklung (NGE) in Kanada. Mit der Frage nach den Spannungspunkten und Synergie-Effekten haben wir uns lange beschäftigt, gedanklich, aber auch ganz praktisch.

Gewiss gibt es Spannungen. Willow Creek wird fälschlicherweise oft als Bewegung verstanden, die sich auf den Aufbau von Mega-Gemeinden mit sucherfreundlichen Gottesdiensten konzentriert. Dieser Schwerpunkt gehört sicherlich zur Strategie der Willow Creek-Gemeinde in Chicago. Dort wurde die Gemeinde so strukturiert, um möglichst viele Menschen im Umfeld zu erreichen. Willow ist aber überhaupt nicht daran interessiert, dass andere Gemeinden diese Strategie kopieren. Diese Strategie unterscheidet sich sogar von der der weltweiten Willow Creek Association. Denn diese ermutigt ausdrücklich Entwicklung und Bewegung in bestimmten Dienstbereichen ("ministry movement areas").

Spannungen entstehen aber auch durch Missverständnisse in Bezug auf NGE. So wird beispielsweise behauptet NGE sei gegen Gemeindemodelle, den Aufbau großer Gemeinden und stehe sucherfreundlichen Gottesdiensten kritisch gegenüber. Richtig ist, dass NGE – aufgrund entsprechender Untersuchungen -- betont, dass es darauf ankommt, die Prinzipien hinter Gemeindestrategien wie Willow zu entdecken und für die eigene Praxis abzuleiten statt die jeweilige Strategie einfach zu kopieren. Diese Betonung mindert aber keineswegs den Wert der Willow Creek-Strategie. Ganz im Gegenteil: Sie spiegelt wider, was Willow Creek auch gegenüber den eigenen Partnergemeinden betont.

Mit diesen Spannungen im Blick haben wir aber auch große Synergie-Effekte zwischen der Willow Creek-Bewegung und NGE entdeckt. Willow Creek entdeckte (durch Erfahrung und Intuition) die Notwendigkeit, in einer Reihe von Dienstbereichen Stärken zu entwickeln. Programme, Materialien und Konferenzen wurden entwickelt, um leitenden Personen in diesen Dienstbereichen auszubilden und eine entsprechende Vision zu vermitteln.

NGE entdeckte (durch weltweite Forschung), dass wachsende Gemeinden in acht kritischen Dienstbereichen gesund sind. Ein Vergleich zeigt, dass sich NGEs acht Qualitätsmerkmale und Willow Creek's Schlüsselbereiche ("movement areas") weitgehend entsprechen (siehe Tabelle). Wir in Kanada ermutigen unsere Willow Creek Partnergemeinden deshalb, die NGE-Prinzipien in ihre Strategien einfließen zu lassen. Eine Auswertung unserer Daten bestätigt uns darin.

Die Daten der Willow Creek-Partnergemeinden (die ein NGE-Gemeindeprofil erhoben haben) sind dabei sehr aufschlussreich. Sie zeigen, dass eine Willow Creek-Partnergemeinde mit höherer Wahrscheinlichkeit auch eine gesunde und wachsende Gemeinde ist. Eine durchschnittliche Gemeinde in Kanada (keine Willow Creek-Partnergemeinde), die ein NGE-Gemeindeprofil erhebt, ist mit 42% Wahrscheinlichkeit auch eine wachsende Gemeinde. Diese Wahrscheinlichkeit steigt auf 52% bei Willow Creek-Partnergemeinden. Der durchschnittliche Gesundheitsindex einer Willow Creek-Partnergemeinde erreicht den erstaunlichen Wert von 60. Der Vergleichswert anderer wachsender Gemeinden (keine Willow Creek-Partnergemeinden) beträgt im Durchschnitt 50,2. Diese statistischen Angaben basieren auf 1.327 kanadischen Gemeinden, die uns ihre NGE-Werte mitgeteilt haben. 349 dieser Gemeinden sind Willow Creek-Partnergemeinden.

Diese Ergebnisse sollten nicht überraschen. Immerhin haben Willow Creek-Partnergemeinden nicht nur von Konferenzen und Ressourcen profitiert, sondern auch an Gemeinde-Netzwerken teilgenommen, die sich auf die Entwicklung der Willow Creek-Schlüsselbereiche konzentrierten (einschließlich Leiterschaft, Kleingruppen, geistliches Wachstum, Evangelisation, Gottesdienst und Kunst, geistliche Gaben und Kinderarbeit). Willow Creek-Partnergemeinden haben sich so über Jahre hinweg bewusst mit Aspekten eines gesunden Gemeindelebens beschäftigt. Das erklärt sicherlich, warum sie mit höherer Wahrscheinlichkeit auch wachsende Gemeinden sind.

Natürlich profitieren Willow Creek-Partnergemeinden in besonderer Weise, wenn sie sich durch NGE in die Lage versetzen lassen, ihre Ressourcen noch gezielter und effektiver einzusetzen. Die Synergie-Effekte zwischen Willow und NGE haben in Kanada jedenfalls vielen Gemeinden geholfen, gesunde, wachsende Gemeinden zu werden.

Jeff Berrie leitet das Ressort "Natürliche Gemeindeentwicklung" am Leadership Centre Willow Creek Canada


 

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