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Januar 2005
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Frank Waldschmidt
Assessment 1.0 |
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Gemeindegründungsprojekte mit Aussicht auf Erfolg brauchen Gründer mit einer klaren Berufung und Eignung für diesen Dienst. Das zeigt die Erfahrung. Doch wie können sich Personen mit einem Herz für neue Gemeinden über ihre eigene Berufung klar werden? Wie können Gemeindeverbände sich Gewissheit verschaffen, dass sie die richtige Person ins Rennen schicken? Die Siebenten-Tags-Adventisten (STA) testen zurzeit ein Einschätzungsverfahren. Ein Modellversuch, von dem alle an Gemeindegründung Interessierte nur lernen können. Das erste Assessment für Gemeindegründer auf deutschem Boden ist schon wieder Geschichte. Dankbar blicken wir auf eine intensive Zeit der Vorbereitung und Nacharbeit zurück. Intensiv im Gedächtnis bleiben die viereinhalb Tage, in denen uns 6 Bewerber auf authentische Weise ihre Leidenschaft für Gott und verlorene Menschen sowie ihren Ruf für die Gründung neuer Gemeinden bezeugt haben. Es war eine eindrucksvolle Erfahrung, gewissermaßen die "Geburtsstunde" von 5 Gemeindegründern mitzuerleben.
Das Einschätzungsverfahren oder Assessment ist ein Baustein der modernen adventistischen Gemeindegründungsstrategie. Es stellt keine "feindliche Übernahme" aus der säkularen Managementwelt dar, sondern gründet sich auf das biblische Prinzip des Beobachtens und Sichtbarwerdens von geistlichen Gaben innerhalb der frühen Gemeinde. Es folgen die Bestätigung der Gemeinde durch Segensgebet und Händeauflegen und schließlich die Sendung. Ziel dieses geistlichen Prozesses ist es, die Menschen zu finden, die von Gott mit der Gabe zur Gründung neuer Gemeinden gesegnet wurden, diese zu sichten und gewissermaßen "die richtige Person" ans Netz zu bringen. Für eine erfolgreiche Gemeindegründung ist dann zusätzlich eine gründliche Projektplanung (Ort, Zielgruppe und Strategie) sowie eine kompetente geistliche und fachliche Begleitung (Coaching, Mentoring) notwendig. Selbstverständlich sind diese Elemente keine Garantie, aber sie reduzieren das Risiko des Scheiterns eines Gründungsprojektes und die damit verbundenen Langzeitfolgen auf ein deutliches Maß. Die Erfahrungen sprechen eine klare Sprache für diese professionelle strategische Vorgehensweise in der Gemeindegründung. Im Assessment suchen wir also nach der richtigen Person oder dem richtigen Team (Ehepaare).
Vorbereitung und Geschichte Neben der intensiven logistischen, organisatorischen Vorarbeit, die durch eine erfahrene Teilzeitkraft in einem Assessmentbüro geleistet wurde, stand die inhaltliche, methodische und didaktische Erarbeitung des Verfahrens. Diese Vorbereitung lässt sich in zwei Phasen einteilen:
Die Anwendung der Verfahren von Assessment-Institutionen zur Auswahl von Gemeindeneugründern kommt aus den USA und ist recht neu. Dr. Thomas Graham übernahm die Methode zu Beginn der 80ziger Jahre und entwarf das "Mission to North America" (MNA) und das "Mission to the World (MTW) Assessment-Institut". Dieses wird von der Presbyterianischen Kirche in Amerika (PCA) genutzt. Von 1984 bis 1992 besuchten 475 Ehepaare das MNA-Assessment-Institut. Nach Berichten des MNA-Personals ist durch diese Methode die Erfolgsrate bei der Auswahl qualifizierter Gemeindeneugründer von 60% auf 90% gestiegen.
Die Siebenten-Tags-Adventisten (STA)
begannen 1995 unter der Supervision von Thomas Graham ihre eigenen
Assessments. 1997 zahlte das STA-Gemeindegründungszentrum (CPC) der PCA
$20.000 für die Rechte, deren Methode zu nutzen und sie der
adventistischen Kultur und Organisation anzupassen. Ein Jahr später begann
das CPC, drei Assessments jährlich durchzuführen. Das wurde bis heute
fortgesetzt. Pro Jahr werden bis zu 36 Kandidaten beurteilt. Für einen
Projektzeitraum von zunächst 5 Jahren soll nun geprüft werden, ob das
Verfahren für Deutschland bzw. Europa einsetzbar ist.
Aus über 20 Bewerben wurden schließlich 9
Bewerber (3 Ehepaare, 3 Einzelpersonen) zugelassen. Lediglich einer von
ihnen war hauptberuflicher Pastor. In einer frühen Phase des Verfahrens
zogen Interessenten ihre Bewerbung entweder zurück oder schieden im
Telefoninterview bereits aus. Ein Teilnehmer berichtet: "Auf uns wartete
ein aufwändiges Bewerbungsverfahren: erst eine schriftliche Bewerbung,
dann ein neunseitiger Fragebogen, ein 1 1/2 stündiges Telefoninterview und
eine Reihe weiterer Tests. Zusätzlich mussten uns 6 Referenzpersonen
schriftlich einschätzen." Auch eine Predigtaufzeichnung der Bewerber
verhalf zu einem recht detaillierten Bild gleich zu Beginn des Assessments.
Das Assessoren-Team bestand aus sechs
Personen, verstärkt durch eine Person der Kirchenleitung, ein zweiköpfiges
Supervisionsteam aus den USA und einer organisatorischen Fachkraft. 2
Personen des Teams zeichneten dabei speziell für den psychosozialen
Bereich (Persönlichkeitsinventare) verantwortlich. Die Übungen wurden von
unterschiedlichen Personen geleitet, so dass jeder Bewerber von jedem
Beobachter auch eingeschätzt werden konnte.
Am Sonntagabend stand das Ankommen und
Einstimmen auf den Prozess im Mittelpunkt. Die verständliche Anspannung
der Teilnehmer sollte sich legen und vor Gott gebracht werden. Eine
umfangreiche Andacht und Gebetszeit machte deutlich, dass das Assessment
als ein geistlicher Prozess anzusehen ist. Tägliche Andachten,
Besinnungszeiten, intensive Gebetszeiten und Rückzugsmöglichkeiten in
einem eigens dafür geschaffenen Gebetsraum unterstrichen diesen
Schwerpunkt. Von Montagmorgen bis Donnerstagmorgen fanden die einzelnen
Übungen statt, bevor sich am Mittag und Nachmittag die Abschlussgespräche
anschlossen. Aufgrund der intensiven Beschäftigung standen die Abende für
die Teilnehmer zur Entspannung und Erholung offen, während die Assessoren
sich auf die nächsten Übungen vorbereiteten. Für die Assessoren gab es
eine zusätzliche Vor- und Nachbereitung von einem halben Tag.
Was bleibt nach dem ersten adventistischen
Assessment für Gemeindegründer in Deutschland? Zum einen die Erfahrung,
wie wertvoll ein solches Assessment-Instrument sein kann. Zum anderen eine
neue Wertschätzung des Themas Gemeindegründung, das nicht dem freien Fluss
der Kräfte überlassen werden sollte.
In den Rückmeldungen der Teilnehmer fand
sich überwiegend große Dankbarkeit gegenüber Gott. Dankbarkeit für eine
tiefe, persönliche Begegnung mit sich selbst. Den Möglichkeiten und
Chancen wie den Grenzen gleichermaßen. Von Erschöpfung wussten am Schluss
alle zu berichten, doch jeder wollte diese Erfahrung nicht missen und sie
auch anderen wünschen. Die Erfahrung des Assessments wird mich im Hinblick
auf meinen Dienst für Gott in der Gemeindegründung, für die Umsetzung
meiner Vision stärken.
Letztlich wird natürlich erst die Realität
den Wert des Einschätzungsverfahren messen können. Wie Eingangs erwähnt,
gibt es zusätzliche Faktoren, die zum Gelingen einer Gemeindegründung
beitragen. Es gibt ebenso zahlreiche Gründe für das Scheitern eines
Projektes - persönliche wie fachliche. Das Assessment ist kein
Wundermittel, aber es hilft das Risiko zu minimieren. Es kann keine
persönlichen Fehltritte oder fachliche Fehleinschätzungen verhindern.
Dennoch ist es ein sehr wertvolles Hilfsmittel als Baustein einer
professionellen Gemeindegründungsstrategie. Positiver formuliert: Es
bestätigt und macht sichtbar, was Gott in Menschen hineingelegt hat, damit
verlorenen Menschen geholfen werden kann.
Alle 5 Bewerber, denen eine volle bzw. bedingte Empfehlung gegeben wurde, sind bereits in interessanten Gemeindegründungsprojekten engagiert und bestätigen das Ergebnis des Assessments. Zum ersten Mal nach langer Zeit hat eine Vereinigung einen Prediger vollzeitlich zur Gründung einer Gemeinde in einem Ballungszentrum gerufen. Das wünschen wir uns auch in der Zukunft, dass empfohlene Teilnehmer – ob Laien oder Pastoren - die Chance bekommen, das zu leben, was Gott in sie hineingelegt hat.
Frank Waldschmidt ist Pastor und Psychotherapeut (HPG). Im Norddeutschen Verband der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten leitet er das Referat Missionarischer Gemeindeaufbau. |
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