März 2005

 

 

 


Fokus  
 
   

Christoph Schalk

Leben in beiden Welten?

"Ja, der lebt in beiden Welten", rutschte es mir kürzlich bei einem PRAXIS-Redaktionstreffen heraus. Gemeint war damit ein Autor, der es doch tatsächlich schaffte, Vorbild für geistliches Wachstum und gleichzeitig Gemeindewachstumsexperte zu sein. Persönliches Wachstum und Gemeindewachstum – sind das wirklich zwei Welten? Vielleicht ist es hilfreicher, erst zu fragen: Woher kommen diese beiden "Welten" und wozu führen sie?

In meinen Gesprächen mit anderen Christen, sei es in meinem Hauskreis, in meiner Gemeinde oder auch in anderen Gemeinden, die ich als Gemeindeberater besuche, stelle ich immer wieder fest, dass die meisten eine "Brille" aufhaben: Sie sehen ihr Leben als Christ und auch die Gemeinde auf eine bestimmte Art und Weise. Leider nur beheben diese "Brillen" keinen Sehfehler, sondern produzieren einen! Während es beim Augenarzt Brillen gegen Kurz- oder Weitsichtigkeit gibt, scheint mir, dass unsere "frommen Brillen" manche Sehfehler gerade zu erst hervorrufen.


Unterschiedliche Perspektiven im Konflikt

Da bin ich zum Beispiel in einer Gemeinde, die Beratung in Anspruch nimmt, weil sie gemerkt hat, dass es mit dem geistlichen Leben ihrer Mitglieder nicht zum Besten steht. Die Leitung will hier was tun – geistliches Wachstum ist angesagt. In der Beratung sprechen wir über die unterschiedlichsten Schritte, die weiterhelfen könnten: Glaubenskurse, Gebetszeiten, Christen beim Entdecken ihrer Gaben helfen, "Leidenschaftskiller" identifizieren und anderes mehr. Eine gute Mischung aus geistlichen und strategischen Maßnahmen also. Doch nach einiger Zeit der Diskussion meldet sich eine Frau zu Wort: "So kommen wir hier nicht weiter. Alles, was wir hier machen können, ist doch, einfach nur zu beten."

Ich nenne das die "spiritualistische Brille" – alles wird einseitig geistlich, und damit eigentlich nicht mehr geistlich gesehen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Gebet ist hier absolut notwendig und wichtig, falsch in der Aussage ist das "nur". Doch gerade dieses "nur" führt dann oft zu Stillstand in der Gemeindearbeit, ja sogar zu – oft unterschwelligen – Konflikten und zur Lagerbildung zwischen den vermeintlich "Geistlichen" und den "Ungeistlichen".

Aber es gibt auch noch die andere Brille, die ich die "technokratische" nenne. Ein typisches Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Eine Gemeinde mit dem Minimumfaktor "liebevolle Beziehungen" hat mich zu einem Seminar eingeladen. Konzentriert und konstruktiv arbeiten wir einen ganzen Samstag daran, wie Beziehungen in der Gemeinde gebaut, gefördert und vertieft werden können. Doch am Nachmittag reißt einem der Teilnehmer offensichtlich der Geduldsfaden: "Mit diesem soften Geschwafel bringen wir unsere Gemeinde nie zu mehr Wachstum! Was wir brauchen sind Strategien! Und Ziele! Messbare Ziele! Nicht nur so etwas undefinierbares wie 'Liebe'!"

Jeder von uns bringt seine "Brille", seine Erfahrungen und seinen Hintergrund mit, wenn es um Wachstum – persönliches Wachstum wie auch das Wachstum der Gemeinde – geht. Der eine sieht Dinge eher strategisch-strukturell, der andere eher geistlich-organisch. Das ist beides zunächst einmal gut so. Zum Problem wird es allerdings, wenn wir nur noch diesen einen Schwerpunkt sehen, und nicht mehr, dass sich beide Seiten ergänzen und im Gleichgewicht halten müssen.


Unterschiedliche Perspektiven in Balance

Im Neuen Testament wird Gemeinde unter beiden Aspekten beschrieben: als lebendiger Organismus genauso wie als Organisation, die gebaut werden muss. Besonders spannend: Verquickungen beider Aspekte, die zu ungewöhnlichen Wortkombinationen führen. So schreibt Petrus von "lebendigen Steinen" (1 Petr 2,5). Paulus spricht vom "Wachstum des Tempels" (Eph 2,21) und davon, dass der "Leib Christi gebaut" wird (Eph 4,12). Als Gemeinde sind wir gleichzeitig "Gottes Ackerfeld" und "Gottes Bau" (1 Kor 3,9).

Hier etwas auseinander zu reißen, das zusammen gehört, ist zutiefst unbiblisch – und in der Praxis wenig hilfreich. In meiner Forschungsarbeit beim "Institut für natürliche Gemeindeentwicklung International" habe ich die Daten von mittlerweile fast 35.000 Gemeinden aus 70 Ländern auf diese Frage hin analysiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Korrelationen (hier geht es um den statistischen Zusammenhang zwischen zwei Variablen) zwischen typischen Indikatoren der "technokratischen Brille" bzw. der "spiritualistischen Brille" auf der einen Seite und dem Wachstum und der Qualität von Gemeinden auf der anderen Seite ist gleich null.

In unserer Forschung ging es dabei um in der Praxis bewährte Indikatoren wie:

  • Wachstumsziele hinsichtlich des Gottesdienstbesuchs

  • Bereitschaft, im Blick auf geistliche Dinge zu planen und zu organisieren

  • Gebet für Erweckung

  • Geistliche Kampfführung

Anders ausgedrückt: Ob sich Gemeinden das Ziel setzen, bis zu einem bestimmten Termin die Zahl ihrer Gottesdienstbesucher auf die Zahl X gesteigert zu haben, hat weder einen Einfluss auf ihr tatsächliches Wachstum noch auf die Qualität dieser Gemeinden. Schrumpfende wie wachsende Gemeinden setzen sich dieses Ziel etwa gleich häufig – ohne jede Konsequenz alleine aus dieser Maßnahme. Und auch ihr Qualitätsindex, gemessen mit dem Gemeindeprofil der natürlichen Gemeindeentwicklung, kann keinen Auswirkungen auf die Qualität dieser Gemeinden nachweisen.


Was tun?

Wie können wir nun mit unseren "Brillen" umgehen? Ich sehe vier Schritte:

1. Die eigene "Brille" wahrnehmen

Auch wenn die Begriffe "spiritualistisch" und "technokratisch" negativ klingen: Negativ werden sie eigentlich nur durch ihre Einseitigkeit. Ansonsten geht es hier ja um wertvolle und biblische Teil-Sichten. Ein erster Schritt ist also das Wahrnehmen – und Akzeptieren – der eigenen bevorzugten Sichtweise. Und vielleicht auch noch das Reflektieren darüber, wie es in der persönlichen Biografie zu dieser Sicht kam. Warum nehme ich geistliches Wachstum und Gemeinde so wahr wie ich es tue?

2. Die "Brillen" anderer Christen wahrnehmen

Ein zweiter Schritt könnte sein, die Sichtweisen anderer Christen – in meinem Hauskreis, in meiner Gemeinde – bewusst wahrzunehmen, ohne aber dadurch Feindbilder aufzubauen. Im Gegenteil: Diese teilweise diametral der eigenen Sichtweise entgegen gesetzten Sichtweisen als Teil der ganzen Wirklichkeit zu akzeptieren, stellt einen wichtigen Schritt in unserem Wachstum zu geistlicher Reife dar. Wichtig dabei: Unser eigenes Wachstum ist unabhängig davon, ob der andere seine Sichtweise schon "reif" als Teil des Ganzen wahrnimmt oder ob er sie "unreif" verabsolutiert. Hier könnte es helfen, an die berühmte Geschichte zu denken, in der mehrere Blinde einen Elefanten beschreiben sollen: Einer berührt den Elefanten am Rüssel und beschreibt ihn folgerichtig als schlauchartig. Ein andere berührt ihn am Bein und beschreibt ihn deshalb als Baumstamm. Jeder hat Recht – aber nicht ausschließlich!

3. Sich gegenseitig ergänzen

In 1 Kor 12 lesen wir von der Gemeinde als Leib Christi – mit unterschiedlichen Gliedern, die sich in ihrer Vielfalt ergänzen sollen. Das ist auch für unterschiedliche "Brillen" hilfreich. Es ist geradezu die Therapie zur Korrektur unserer Sehfehler. Geistliches und Strategisches, Organismus und Organisation, Leben und Struktur, Persönliches und Gemeinde-Wachstum gehören zusammen!

4. Wachstum biblisch verstehen

Die Schlüsselfrage hinter dem Streit der beiden "Brillen" ist die Frage, wie Wachstum – egal ob persönlich-geistliches oder Gemeinde-Wachstum – wirklich geschieht und was man dafür tun muss. Ich halte das so genannte "Gleichnis von der selbst wachsenden Saat", das Jesus in Markus 4 erzählt, für einen Text, der uns hier entscheidend weiterhilft – und uns auch hilft, in "beiden Welten" zu leben (die ja, genau genommen, nur zwei Sichtweise ein und derselben Welt sind).

Jesus erklärt hier: "Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da." (Mk 4,26-29)

Auf den ersten Blick scheint es so, als ob der Bauer, von dem hier die Rede ist, ein ziemlich fauler Mensch ist: Er sät ein bisschen und legt sich dann ins Bett. Tatsache ist natürlich, dass die Landwirtschaft harte Arbeit ist: Der Boden muss gepflügt und vorbereitet werden, Steine müssen aufgeklaubt werden, nach dem Säen muss das Feld bewässert werden (wir dürfen nicht vergessen, dass diese Geschichte in Israel spielt, wo ohne Bewässerung nichts wächst!), Unkraut muss gejätet werden usw.

Der Bauer hat also eine klar umschriebene Aufgabe: Das Wachstum ermöglichen, indem er ein wachstumsförderliches Umfeld schafft. Was allerdings nicht seine Aufgabe ist: das Wachstum selbst zu machen. Er kann nicht an den Halmen ziehen, damit die Pflänzchen schneller wachsen! Damit würde er nur alles zerstören.

Wer also ist für das Wachstum zuständig? Im Gleichnis heißt es nur, dass die Erde "von selbst" Frucht bringt. Was für uns so beinahe atheistisch oder gar technisch klingt (im Griechischen steht hier das Wort "automate"), macht den jüdischen Zuhörern von Jesus klar: Hier ist Gott selbst am Werk. Gott gibt das Wachstum, während der Bauer alles dafür vorbereitet.

Wir lesen hier also von einem "Joint Venture", einer genialen Zusammenarbeit von Gott und Mensch in Sachen Wachstum: Die Aufgabenbeschreibung für uns lautet: Wachstum ermöglichen. Die Aufgabenbeschreibung Gottes hingegen ist das Wachstum selbst. So wie es Paulus auch in 1 Kor 3 zum Ausdruck bringt: "Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen. (…) Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau." (1 Kor 3,6+9)

Können wir Wachstum also machen? Ja und nein. Wir können es nicht direkt "erzeugen", wir können (und müssen) aber etwas dafür tun. Denn ohne unser Tun wächst nichts. Unsere Aufgabe: Das Leben als Christ und das Leben (in) der Gemeinde in seiner zweipoligen Ganzheit wahrzunehmen und entsprechend zu handeln: strategisch und geistlich.
 

Christoph Schalk ist Diplom-Psychologe und leitet zusammen mit Christian A. Schwarz das Institut für natürliche Gemeindeentwicklung International; dort ist er für den Bereich "Forschung" und die Ausbildung der nationalen Partner der NGE und ihrer Beraternetzwerke in 70 Ländern zuständig. Infos: www.ncdnet.org / www.mehr-und-bessere-Gemeinden.net

 

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Daniel Catalano

Das Stabspiel: Ein Teamspiel mit großer Wirkung

"Dass ein Spiel mich so positiv mitnimmt, hätte ich nicht gedacht!" – "Ich bin überrascht, wie viel ich aus einem Teamspiel lernen kann." Aussagen wie diese stammen von Seminarteilnehmern, die an einem einfachen und doch sehr effektiven Teamspiel mitgemacht haben. Sie können es in ihrer Gemeinde, ihrem Hauskreis oder in irgendeiner beliebigen Gruppe innerhalb von 5-10 Minuten anwenden. Hier erfahren Sie wie.

 

Um was geht es in diesem Spiel?

Das Spiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich als Teil eines Ganzen (Teams, einer Gemeinde, einer Gruppe) zu verstehen, in dem es kaum möglich ist, sein Ding "allein" durchzuziehen ohne ungewollte "Nebenwirkungen" in Kauf zu nehmen. Ein Ziel kann schneller erreicht werden, wenn sich alle darauf konzentrieren, in der Kommunikation und im Verhalten aufeinander einzugehen und sich abzustimmen (gesunde Vernetzung).


Biblischer Bezug

In 1 Kor 12 beschreibt Paulus die Gemeinde als den Leib Christi, in dem alle Glieder eine vernetzte Einheit bilden. In dieser sind alle Glieder aufeinander bezogen und angewiesen. Die so genannten biotischen Prinzipen der natürlichen Gemeindeentwicklung (NGE) bauen auf Erkenntnisse dieser vernetzten Sichtweise gemäß 1 Kor 12. Das Schlüsselprinzip der biotischen Prinzipien ist deshalb "Vernetzung".


Zum Spielablauf

8-10 Personen werden gebeten, einen etwa 2-3 Meter langen Stab (aus Holz oder besser Bambus) zu halten. Der Seminarleiter hebt den Stab waagrecht in Schulterhöhe der Teilnehmer und erklärt den Teilnehmern, dass der Stab nur mit dem Zeigefinger berührt/gehalten werden darf. Bei 10 Teilnehmern stehen sich also jeweils 5 Teilnehmer fast Schulter an Schulter (Abstand von Schulter an Schulter ca. 20-30 cm) gegenüber, mit dem Stab in der Mitte. Der rechte Arm aller Teilnehmer wird leicht angewinkelt auf Schulterhöhe ausgestreckt, so dass bei jedem der Stab auf dem Zeigefinger liegt (die Hand eines jeden "zeigt" mit dem Zeigefinger sozusagen in Schulterhöhe wie eine Pistole auf die gegenüberliegende Person und der Stab liegt auf den Zeigefingern aller Teilnehmer).

Zwei wichtige Vorgaben müssen den Teilnehmern kommuniziert werden:

(1) Alle, die den Stab halten, müssen ihn auch gemeinsam auf den Boden legen.

(2) Der Zeigefinger eines jeden Einzelnen muss zu jeder Zeit während des Spiels den Stab berühren.

Das Spielziel ist erreicht, wenn es einem Team gelungen ist, den Stab gemeinsam auf dem Boden abzulegen.

Dann geht’s los: Der Seminarleiter gibt den Stab frei und überlässt ihn dem Team. Einzelne Teammitglieder möchten gleich beim Start in die Knie gehen, da sie wohl davon ausgehen, dass die Aufgabe schnell erledigt werden kann. Obwohl jeder das Ziel schnell erreichen will (den Stab auf den Boden abzulegen), kommt das Team überraschenderweise nur sehr langsam voran. In den ersten Sekunden sagt kaum jemand etwas. Doch bald schon beginnen die ersten Teammitglieder, deutliche Kommandos zu geben. Befehle, Anweisungen, Tipps und Ratschläge einzelner Teilnehmer werden teilweise befolgt, teilweise einfach überhört.

Manche werden ungeduldig, weil sie kaum Fortschritt sehen: "Das gibt’s doch nicht! Warum dauert das so lang?" Andere beginnen, einzelne Teammitglieder zu fragen, ob sie denn auch wirklich den Stab unten ablegen wollen oder einfach nur heben oder gar nach oben drücken! Auf einmal trifft etwas Unerwartetes ein: Der Stab spielt nicht so mit, wie es die meisten wollen. An irgendeiner Stelle hebt sich der Stab und die anderen Teilnehmer versuchen, dies irgendwie auszugleichen. Ob sie dabei gewollt haben, dass der Stab insgesamt wieder viele Zentimeter angehoben wird?

Nach dem kleinen "Schock" möchte das Team die verlorenen Zentimeter wieder gut machen. Die unterschiedlichen Stimmen werden plötzlich weniger. Es wird nicht mehr so durcheinander geredet wie vorher. Eine deutlich bessere Koordination spielt sich ein. Die Hektik nimmt ab. Das Team versucht nun "als Ganzes", durch eine aufmerksamere Kommunikation den Stab gemeinsam abzulegen. Plötzlich hört man sogar ermutigende Ausrufe ("Ja, so klappt das!" – "Langsam, langsam, nur noch wenige Zentimeter!"). Der Balanceakt wird spürbar leichter. Das Team macht schnellere Fortschritte. Wenn auch nicht innerhalb der nächsten Sekunden, so liegt doch innerhalb der nächsten Minuten der Stab auf dem Boden. Das Ziel wurde gemeinsam erreicht.

 
Aus der gemeinsamen Erfahrung lernen

Ein solches Teamspiel gibt die Möglichkeit, Information in die eigene Sprache und Assoziationswelt zu übersetzen. Dieses Spiel aktiviert die Teilnehmer und verknüpft den Lernprozess mit einem echten Erlebnis. Im anschließenden gemeinsamen Austausch wird die Spielerfahrung auf das Teamverhalten transferiert.

(1) Innerhalb eines Teams (eines Organismus) wirkt sich jede Aktion des Einzelnen aus. Ziel: Eine teamorientierte und vernetzte Sichtweise meiner Aktionen und Möglichkeiten

Die Vorgabe, mit dem Finger am Stab zu bleiben, bildet die Grundlage, um etwas Entscheidendes klar zu machen: Solange keine Person aus dem Team "aussteigt" (und damit nicht mehr dazu gehört), werden alle Bewegungen der Teammitglieder immer in irgendeiner Art und Weise den Ablauf beeinflussen und sich auch auf die anderen Mitglieder im Team (in einer Gruppe, in einer Gemeinde) auswirken. Es gibt keine "neutrale" Position. Auch passive Teamspieler beeinflussen den Ablauf. Jede Bewegung wirkt sich auf die Stabhöhe aus. Das heißt aber nicht, dass übermäßige Bewegungen nötig oder gar effektiv sind. Eine so genannte "Übersteuerung" kann auch stattfinden. Dies geschieht, wenn der Stab schief liegt und zu viele Leute auf einmal und ohne Fingerspitzengefühl versuchen, diese Schieflage auszugleichen. So kann der Stab im Spiel unter Umständen höher zu liegen kommen als in seiner Ausgangslage.

In 1 Kor 12 lesen wir von der Gemeinde als Leib Christi – mit unterschiedlichen Gliedern, die sich in ihrer Vielfalt gegenseitig beeinflussen und ergänzen sollen. Das Spiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich als Teil eines Ganzen (Teams, einer Gemeinde, einer Gruppe) zu verstehen. Wer sich also der ohnehin vorhandenen Vernetzung (man beeinflusst sich gegenseitig) bewusst wird und eine mögliche gesunde Vernetzung (teamorientiertes und auf einander feinfühlig abgestimmtes Handeln) umsetzt, wird die besten und schnellsten Ergebnisse erzielen.

(2) Unterschiedliche Vorstellungen bewusst machen und lernen, damit umzugehen. Ziel: Eine positive, teamorientierte Reaktion

Alle wollen zwar das gleiche Ziel erreichen, aber die Reaktion auf den Verlauf der Teamaktivität ist unterschiedlich. Manche gehen davon aus, dass das Ziel innerhalb kürzester Zeit erreicht werden kann. Andere meinen, dass der Stab auf keinen Fall angehoben werden dürfe, will man dem Ziel näher kommen (nämlich den Stab am Boden abzulegen). Dementsprechend fallen auch die Reaktionen aus – von Erstaunen über Frust bis hin zu (versteckten oder offenen) Vorwürfen an andere. Sogar die Möglichkeit einer "Sabotage" ("Da drückt doch jemand bewusst nach oben!") kann eingeräumt oder ausgesprochen werden.

Hier ist es hilfreich, ein Team als lebendigen Organismus zu verstehen, in den jedes einzelne Teammitglied unterschiedliche Vorstellungen mitbringt. Dabei sind die unterschiedlichen Vorstellungen in Bezug auf das wie oder wie schnell etwas "abzulaufen" hat, nicht das Problem. Es ist die Art und Weise, wie die Beteiligten mit diesen Vorstellungen und den auftretenden Störungen umgehen. Mit ihnen muss gerechnet werden, auch wenn offensichtlich alle das Ziel erreichen möchten. Das gemeinsame Reden darüber, das Abgleichen von Vorstellungen und das Vorbereiten auf mögliche und unerwartete Störungen kann helfen, dass die einzelnen Reaktionen in der Durchführung einer Teamaufgabe nicht hinderlich oder negativ aufeinander einwirken.

Teams bzw. Gemeinden, die als lebendige und vernetzte Organismen agieren möchten, müssen also von jedem einzelnen Mitglied so gesehen und in allem als solche behandelt werden.
 

Daniel Catalano (28) ist verheiratet mit Miriam und gibt Intensiv-Seminare zum Erlernen und Anwenden der biotischen Prinzipien der natürlichen Gemeindeentwicklung (Projektpartner von Christoph Schalk). Gerne können Sie ihm ihre Fragen per E-Mail stellen oder ihn für ein Seminar einladen.

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