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"Dass ein Spiel mich so positiv mitnimmt, hätte ich nicht
gedacht!" – "Ich bin überrascht, wie viel ich aus einem Teamspiel lernen
kann." Aussagen wie diese stammen von Seminarteilnehmern, die an einem
einfachen und doch sehr effektiven Teamspiel mitgemacht haben. Sie können
es in ihrer Gemeinde, ihrem Hauskreis oder in irgendeiner beliebigen
Gruppe innerhalb von 5-10 Minuten anwenden. Hier erfahren Sie wie.
Um was geht es in diesem Spiel?
Das Spiel verdeutlicht, wie wichtig es ist,
sich als Teil eines Ganzen (Teams, einer Gemeinde, einer Gruppe) zu
verstehen, in dem es kaum möglich ist, sein Ding "allein" durchzuziehen
ohne ungewollte "Nebenwirkungen" in Kauf zu nehmen. Ein Ziel kann
schneller erreicht werden, wenn sich alle darauf konzentrieren, in der
Kommunikation und im Verhalten aufeinander einzugehen und sich abzustimmen
(gesunde Vernetzung).
Biblischer Bezug
In 1 Kor 12 beschreibt Paulus die Gemeinde
als den Leib Christi, in dem alle Glieder eine vernetzte Einheit bilden.
In dieser sind alle Glieder aufeinander bezogen und angewiesen. Die so
genannten biotischen Prinzipen der natürlichen Gemeindeentwicklung (NGE)
bauen auf Erkenntnisse dieser vernetzten Sichtweise gemäß 1 Kor 12. Das
Schlüsselprinzip der biotischen Prinzipien ist deshalb "Vernetzung".
Zum Spielablauf

8-10 Personen werden gebeten, einen etwa 2-3
Meter langen Stab (aus Holz oder besser Bambus) zu halten. Der
Seminarleiter hebt den Stab waagrecht in Schulterhöhe der Teilnehmer und
erklärt den Teilnehmern, dass der Stab nur mit dem Zeigefinger
berührt/gehalten werden darf. Bei 10 Teilnehmern stehen sich also jeweils
5 Teilnehmer fast Schulter an Schulter (Abstand von Schulter an Schulter
ca. 20-30 cm) gegenüber, mit dem Stab in der Mitte. Der rechte Arm aller
Teilnehmer wird leicht angewinkelt auf Schulterhöhe ausgestreckt, so dass
bei jedem der Stab auf dem Zeigefinger liegt (die Hand eines jeden "zeigt"
mit dem Zeigefinger sozusagen in Schulterhöhe wie eine Pistole auf die
gegenüberliegende Person und der Stab liegt auf den Zeigefingern aller
Teilnehmer).
Zwei wichtige Vorgaben müssen den
Teilnehmern kommuniziert werden:
(1) Alle, die den Stab halten, müssen ihn
auch gemeinsam auf den Boden legen.
(2) Der Zeigefinger eines jeden Einzelnen
muss zu jeder Zeit während des Spiels den Stab berühren.
Das Spielziel ist erreicht, wenn es einem
Team gelungen ist, den Stab gemeinsam auf dem Boden abzulegen.
Dann geht’s los: Der Seminarleiter gibt den
Stab frei und überlässt ihn dem Team. Einzelne Teammitglieder möchten
gleich beim Start in die Knie gehen, da sie wohl davon ausgehen, dass die
Aufgabe schnell erledigt werden kann. Obwohl jeder das Ziel schnell
erreichen will (den Stab auf den Boden abzulegen), kommt das Team
überraschenderweise nur sehr langsam voran. In den ersten Sekunden sagt
kaum jemand etwas. Doch bald schon beginnen die ersten Teammitglieder,
deutliche Kommandos zu geben. Befehle, Anweisungen, Tipps und Ratschläge
einzelner Teilnehmer werden teilweise befolgt, teilweise einfach überhört.
Manche werden ungeduldig, weil sie kaum
Fortschritt sehen: "Das gibt’s doch nicht! Warum dauert das so lang?"
Andere beginnen, einzelne Teammitglieder zu fragen, ob sie denn auch
wirklich den Stab unten ablegen wollen oder einfach nur heben oder gar
nach oben drücken! Auf einmal trifft etwas Unerwartetes ein: Der Stab
spielt nicht so mit, wie es die meisten wollen. An irgendeiner Stelle hebt
sich der Stab und die anderen Teilnehmer versuchen, dies irgendwie
auszugleichen. Ob sie dabei gewollt haben, dass der Stab insgesamt wieder
viele Zentimeter angehoben wird?
Nach dem kleinen "Schock" möchte das Team
die verlorenen Zentimeter wieder gut machen. Die unterschiedlichen Stimmen
werden plötzlich weniger. Es wird nicht mehr so durcheinander geredet wie
vorher. Eine deutlich bessere Koordination spielt sich ein. Die Hektik
nimmt ab. Das Team versucht nun "als Ganzes", durch eine aufmerksamere
Kommunikation den Stab gemeinsam abzulegen. Plötzlich hört man sogar
ermutigende Ausrufe ("Ja, so klappt das!" – "Langsam, langsam, nur noch
wenige Zentimeter!"). Der Balanceakt wird spürbar leichter. Das Team macht
schnellere Fortschritte. Wenn auch nicht innerhalb der nächsten Sekunden,
so liegt doch innerhalb der nächsten Minuten der Stab auf dem Boden. Das
Ziel wurde gemeinsam erreicht.

Aus der gemeinsamen Erfahrung lernen
Ein solches Teamspiel gibt die Möglichkeit,
Information in die eigene Sprache und Assoziationswelt zu übersetzen.
Dieses Spiel aktiviert die Teilnehmer und verknüpft den Lernprozess mit
einem echten Erlebnis. Im anschließenden gemeinsamen Austausch wird die
Spielerfahrung auf das Teamverhalten transferiert.
(1) Innerhalb eines Teams (eines
Organismus) wirkt sich jede Aktion des Einzelnen aus. Ziel: Eine
teamorientierte und vernetzte Sichtweise meiner Aktionen und Möglichkeiten
Die Vorgabe, mit dem Finger am Stab zu
bleiben, bildet die Grundlage, um etwas Entscheidendes klar zu machen:
Solange keine Person aus dem Team "aussteigt" (und damit nicht mehr dazu
gehört), werden alle Bewegungen der Teammitglieder immer in irgendeiner
Art und Weise den Ablauf beeinflussen und sich auch auf die anderen
Mitglieder im Team (in einer Gruppe, in einer Gemeinde) auswirken. Es gibt
keine "neutrale" Position. Auch passive Teamspieler beeinflussen den
Ablauf. Jede Bewegung wirkt sich auf die Stabhöhe aus. Das heißt aber
nicht, dass übermäßige Bewegungen nötig oder gar effektiv sind. Eine so
genannte "Übersteuerung" kann auch stattfinden. Dies geschieht, wenn der
Stab schief liegt und zu viele Leute auf einmal und ohne
Fingerspitzengefühl versuchen, diese Schieflage auszugleichen. So kann der
Stab im Spiel unter Umständen höher zu liegen kommen als in seiner
Ausgangslage.
In 1 Kor 12 lesen wir von der Gemeinde als
Leib Christi – mit unterschiedlichen Gliedern, die sich in ihrer Vielfalt
gegenseitig beeinflussen und ergänzen sollen. Das Spiel verdeutlicht, wie
wichtig es ist, sich als Teil eines Ganzen (Teams, einer Gemeinde, einer
Gruppe) zu verstehen. Wer sich also der ohnehin vorhandenen Vernetzung
(man beeinflusst sich gegenseitig) bewusst wird und eine mögliche gesunde
Vernetzung (teamorientiertes und auf einander feinfühlig abgestimmtes
Handeln) umsetzt, wird die besten und schnellsten Ergebnisse erzielen.
(2) Unterschiedliche Vorstellungen
bewusst machen und lernen, damit umzugehen. Ziel: Eine positive,
teamorientierte Reaktion
Alle wollen zwar das gleiche Ziel erreichen,
aber die Reaktion auf den Verlauf der Teamaktivität ist unterschiedlich.
Manche gehen davon aus, dass das Ziel innerhalb kürzester Zeit erreicht
werden kann. Andere meinen, dass der Stab auf keinen Fall angehoben werden
dürfe, will man dem Ziel näher kommen (nämlich den Stab am Boden
abzulegen). Dementsprechend fallen auch die Reaktionen aus – von Erstaunen
über Frust bis hin zu (versteckten oder offenen) Vorwürfen an andere.
Sogar die Möglichkeit einer "Sabotage" ("Da drückt doch jemand bewusst
nach oben!") kann eingeräumt oder ausgesprochen werden.
Hier ist es hilfreich, ein Team als
lebendigen Organismus zu verstehen, in den jedes einzelne Teammitglied
unterschiedliche Vorstellungen mitbringt. Dabei sind die unterschiedlichen
Vorstellungen in Bezug auf das wie oder wie schnell etwas "abzulaufen"
hat, nicht das Problem. Es ist die Art und Weise, wie die Beteiligten mit
diesen Vorstellungen und den auftretenden Störungen umgehen. Mit ihnen
muss gerechnet werden, auch wenn offensichtlich alle das Ziel erreichen
möchten. Das gemeinsame Reden darüber, das Abgleichen von Vorstellungen
und das Vorbereiten auf mögliche und unerwartete Störungen kann helfen,
dass die einzelnen Reaktionen in der Durchführung einer Teamaufgabe nicht
hinderlich oder negativ aufeinander einwirken.
Teams bzw. Gemeinden, die als lebendige und
vernetzte Organismen agieren möchten, müssen also von jedem einzelnen
Mitglied so gesehen und in allem als solche behandelt werden.
Daniel Catalano (28) ist verheiratet
mit Miriam und gibt Intensiv-Seminare zum Erlernen und Anwenden der
biotischen Prinzipien der natürlichen Gemeindeentwicklung (Projektpartner
von Christoph Schalk). Gerne können Sie ihm ihre Fragen per
E-Mail stellen oder ihn für ein Seminar einladen. |