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Wirkungsvolle Fragen sind ein machtvolles Instrument. Sie können Türen
aufschließen, die ansonsten auch den besten Ratschlägen widerstehen. Eine
der Grundregeln des kreativen Schreibens lautet: "Zeigen Sie etwas, sagen
Sie es nicht." Analog könnte man eine grundlegende Coaching-Regel
aufstellen: "Nicht vorsagen – fragen!"
Sagen Sie den Leuten niemals etwas, was sie selbst herausfinden können.
Denken Sie an Ihre eigenen Lehrer an der weiterführenden Schule oder an
der Universität. Von wem haben Sie am meisten gelernt? Von den Lehrern,
die Ihnen laut ihre Erkenntnisse vorgetragen haben (in der Erwartung, dass
Sie es pflichtschuldig mitschreiben) – oder eher von den Lehrern, die es
geschafft haben, eine ernsthafte Diskussion auszulösen, in der die
Studenten die meisten Gesprächsbeiträge selbst geleistet und ihre eigenen
Schlüsse gezogen haben? Ein guter Lehrer verhält sich genau wie ein guter
Coach: Er fragt – er sagt nicht einfach vor. Mit den richtigen Fragen
lockt und fordert er heraus und spielt mitunter sogar des Teufels Advokat,
nur um sicher zu gehen, dass Sie Ihre Haltung erkennen und gut begründen
können.
Was also macht eine Frage zu einer guten Frage? Gute Fragen müssen nicht
kompliziert sein, um wirkungsvoll zu sein. Einfache Wendungen wie "Und was
nun?" können eine Fülle von Einsichten und Veränderungen hervorbringen.
Und schon mit einer ganz schlichten Faustregel können Sie es weit bringen:
Stellen sie "offene" Fragen.
Eine offene Frage ist eine, die man nicht mit "Ja" oder "Nein" beantworten
kann. Wenn Sie fragen: "Welches Thema müssen wir unbedingt als nächstes
anpacken?", dann muss Ihr Gesprächspartner selbständig denken und Optionen
abwägen. Wenn Sie allerdings fragen: "Sind Sie nicht auch der Ansicht,
dass wir uns zunächst mal um einen ausgeglichenen Haushalt bemühen
sollten?", dann können sie nur mit "Ja" oder "Nein" antworten – und wenn
die Frage dann auch noch so formuliert war, können sie sich geradezu
genötigt fühlen, mit "Ja" zu antworten.
Die meisten Fragen, die wir stellen, sind geschlossene Fragen. Eine
geschlossene Frage eröffnet keinerlei Spielraum für Diskussionen und ist
auch nicht an zusätzlichen Informationen interessiert. Wenn wir
geschlossene Fragen stellen, versuchen wir damit oft die Anzahl der
Optionen einzuschränken oder legen anderen vorgefertigte Antworten in den
Mund. Denken Sie nur einmal an die Frage eines Staatsanwaltes im
Kreuzverhör: "Haben Sie nun das Messer in die Hand genommen oder nicht?"
Er erwartet entweder ein "Ja" oder ein "Nein" als Antwort und zeigt
zugleich keinerlei Interesse an einer Erklärung der Umstände. Die Frage
ist also gewissermaßen eine Falle. Der Verteidiger wird womöglich dieselbe
Frage stellen, aber anders. Er wird sie offen formulieren, sodass der
Zeuge seine Eindrücke und die Umstände schildern kann: "Bitte schildern
Sie in Ihren eigenen Worten, was geschehen ist, als Sie den Raum betreten
haben."
Oft verfallen wir ohne jede Absicht in ein Fragemuster, das geschlossene
Fragen fordert. Wir fragen zum Beispiel: "Sollen wir uns nächste Woche mit
diesem Thema beschäftigen?" Jeder und jedem passiert das mal. Dem kann man
nur abhelfen durch ein geschärftes Bewusstsein – und durch Übung. Wir
sollen selbst darauf achten, wie wir fragen, und sobald wir uns bei einer
Ja/Nein-Frage ertappen, sollten wir überlegen, wie wir die Frage offen und
damit anders stellen können.
Zur Erinnerung: Ein Coach stellt Fragen zu dem einen konkreten Zweck, dass
andere herausfinden, was Gott von Ihnen erwartet. Erfragen Sie die
Erlebnisse und Erfahrungen der Leute, versuchen Sie ihre Gefühle,
Sehnsüchte und Ziele herauszufinden. Angenommen, eine Frau hat schlechte
Erfahrungen in der Gemeinde gemacht. Sie wollte gerne mitarbeiten im
Begrüßungsteam und im Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst, aber
stattdessen ist sie in einen Streit geraten mit der Mitarbeiterin, die
diese Dienste verantwortet. Ihr Coach könnte nun fragen: "Was hätte Ihrer
Meinung nach anders laufen sollen?", oder auch: "Wie können Sie das
nächste Mal anders an die Sache herangehen?" Solche Fragen helfen, ihre
eigenen Erfahrungen und Gefühle einzubeziehen.
Ein weiterer Vorzug von guten Fragen: Sie nehmen Druck vom Coach. Denn
einer der am meisten genannten Gründe, warum Menschen keine leitende Rolle
und auch keine Verantwortung als Coach übernehmen wollen, ist die Furcht
davor, nicht alle Antworten zu wissen. Ein Coach muss überhaupt nicht alle
Antworten kennen – er muss nur ein paar gute Fragen haben. Für die meisten
Coaches ist diese Erkenntnis eine große Erleichterung.
Ich habe in meinem persönlichen wie auch in meinem beruflichen Umfeld
entdeckt, wie wirkungsvoll gute Fragen sein können. Wenn ich
zusammenfasse, was andere sagen; sie einlade, mehr zu sagen und ihnen
kontinuierlich helfe, auf ihre eigenen Ressourcen zurückzugreifen, lösen
sie in 70-80% aller Fälle ihre Probleme selbst, ohne irgendeinen "Input"
von mir. In nahezu der Hälfte dieser Fälle schütteln die Betroffenen mir
die Hand und sagen: "Vielen Dank für Ihren Rat!", ohne zu realisieren,
dass ich Ihnen gar keinen Rat gegeben habe.
Zur Übung: Nehmen Sie die folgenden geschlossenen Fragen und formulieren
Sie sie als offene Fragen:
-
Werden Sie Anzeigen schalten, um mehr Menschen anzuziehen?
-
Haben Sie versucht, mit ihm darüber zu sprechen?
-
Beten Sie für diese Sache?
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Dieser Auszug
wurde dem Buch Das Coaching 1x1 von Robert E. Logan und
Sherilyn Carlton entnommen. Das Coaching 1x1 führt Schritt
für Schritt durch den Coaching-Prozess in einer Weise, die den
Lesern die Umsetzung in tagtäglichen Dienstsituationen erleichtert.
Das Coaching 1x1 kann direkt bei CoachNet Deutschland bezogen
werden.
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